Gewitter: Gefahren und richtiges Verhalten

Erinnerung: Natürlich übernehme ich keinerlei Verantwortung/Haftung dafür, dass die folgenden Verhaltensregeln vor Verletzungen, Schäden oder gar Todesfällen schützen! Selbst bei richtigem Verhalten ist man nie davor gefeit durch die Begleiterscheinungen von Gewittern in Mitleidenschaft gezogen zu werden!

Es mag auf den ersten Blick so aussehen, als würde man sich als Sturmjäger bewusst den Gefahren eines Gewitters aussetzen. Dies ist aber nur bedingt der Fall. Viele Gefahren sind bereits durch relativ kleinen Aufwand vermeidbar oder lassen sich zumindest deutlich reduzieren. Die Sicherheit hat auch bei mir stets Vorrang. Ich bediene mich dabei einiger Sicherheitsregeln. Die meisten dieser Verhaltensregeln sind auch für die Allgemeinbevölkerung wichtig und sollten – falls möglich – unbedingt eingehalten werden.
In der Regel setzen bei einem Gewitter einige Urinstinkte des Menschen ein. Leider sollte man nicht jedem dieser Instinkte direkt Folge leisten. Zudem existieren immer noch viele Mythen und Sprichwörter über das richtige/falsche Verhalten bei einem Gewitter. Auf die einzelnen Gefahren und das richtige/flasche Verhalten soll nun im Einzelnen eingegangen werden.

 

  • Blitzschlag

    Das wohl am meisten gefürchtete Phänomen während eines Gewitters. Die Wahrscheinlichkeit in Deutschland innerhalb eines Jahres vom Blitz getötet zu werden liegt bei ca. 1:18.000.000. Das ist mit einem direkten Lottogewinn vergleichbar (1x Spielen, 1x 6 richtige ohne Superzahl = 1:14.000.000).
    Es ist vermutlich dem spektakulären Erscheinungsbild des Blitzes und des damit einhergehenden Donnerschlags geschuldet, dass in diesem Phänomen die größte Gefahr gewittert wird.
    • Richtiges Verhalten
      Gleich vorne Weg: Das Sprichwort „Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen“ ist völliger Humbug. Sieht man einmal davon ab, dass es bei so manchem vermutlich bereits daran scheitern würde, eine Eiche von einer Buche unterscheiden zu könnten ( 😉 ), so gibt es wissenschaftlich gesehen nicht den kleinsten Beweis für diese „Weisheit“.
      Fest steht: Bäume sind bei Gewittern definitiv zu meiden; und zwar unabhängig von ihrer Art! Nicht nur wegen erhöhter Gefahr durch Blitzschlag, auch wegen etwaigen Sturmböen (s.u.).
      Doch warum schlagen Blitze häufiger in Bäume als beispielsweise in den Boden daneben? Diese Frage führt gleich zum nächsten Irrglauben. Häufig wird gesagt, der Blitz bzw. der Strom des Blitzes würde immer den kürzesten Weg zwischen Wolke und Erde nehmen. Dies stimmt allerdings nur bedingt. Richtig ist, dass der Blitzkanal entlang der Strecke verläuft, welche für den Strom des Blitzes den kleinsten Widerstand darstellt. Dies entspricht oft auch dem kürzesten Weg, manchmal allerdings auch nicht! So kann es durchaus vorkommen, dass der Blitz einige Meter neben einem erhöhten Objekt in den flachen Boden einschlägt. Allerdings sind Bäume im Sommer, wenn sie voll „im Saft stehen“, recht dankbare Blitzableiter und werden aufgrund des recht geringen Widerstands auch häufig vom Blitz getroffen. Einzelne, exponiert stehende Bäume sind hierbei besonders prädestiniert.
      Befindet man sich in einem Wald, wo man Bäumen ja im Grunde nicht ausweichen kann, so sucht man sich eine Gruppe von möglichst niedrigen Bäumen und stellt sich zwischen diese. Dabei sollte man den größtmöglichen Abstand zu den Baumstämmen haben. Baumstämme stellen nämlich aus dreierlei Gründen eine Gefahr dar:
      Bei einem Einschlag kann der Blitz vom Baumstamm auf die Person daneben überspringen. Dieses Szenario ist der worst case und entspricht quasi einem direkten Blitzschlag. Aber selbst wenn der Strom über den Baumstamm abfließt ergeben sich Gefahren. Zum einen verdampft das Wasser im Baum durch die enorme Hitze schlagartig, wodurch Baumstämme regelrecht explodieren können (Beispiele: Video, Bericht). Die umherfliegenden Splitter sind dabei sehr gefährlich! Zum anderen kann, selbst wenn die beiden genannten Szenarien nicht eingetreten sind, durch die sog. Schrittspannung Gefahr drohen. Tritt der Blitz in den Boden ein (ob über ein Objekt wie z.B. einen Baum oder nicht, spielt dabei keine Rolle), so breitet er sich daraufhin im Boden in alle Richtungen aus. Diese „Welle“ stellt einen Potentialsprung dar. Steht ein Mensch nun mit gespreizten Beinen auf dem Boden, so wird der vordere Fuß vom hohen Potential des sich ausbreitenden Blitzschlags erfasst, während sich das hintere Bein noch im Bereich des normalen Potentials (Erdung) befindet. Zwischen den Beinen baut sich daher eine Potentialdifferenz auf, die sog. Schrittspannung. Diese kann zu einem Stromfluss durch den Körper mit den entsprechenden Verletzungen führen. Um diese Gefahr zu bannen, gibt es im Grunde nur eine einzige empfehlenswerte Körperhaltung während eines Gewitters im Freien:
      In die Hocke gehen, Füße so eng wie möglich zusammen nehmen, Kopf senken und zwischen die Arme nehmen.
      Dies gilt auch bei einem Gewitter, das einen auf freiem Feld erwischt. Hier sucht man zusätzlich, sofern möglich, eine Mulde/Senke oder einen Graben auf.
      Erspäht man einen Unterschlupf, so ist dieser im Grunde zuerst kurz zu prüfen. Handelt es sich dabei nämlich um einen Schuppen, ein Häuschen o.Ä., welches über keinen Blitzableiter verfügt, so sollte man weiterhin sehr vorsichtig sein. Warum, verdeutlicht ein tragisches Beispiel aus dem Jahr 2013 (Näheres dazu  hier). Dabei wurden drei Frauen vom Blitz getötet, obwohl sie in einer kleinen Hütte Unterschlupf gesucht hatten. Der Blitz war von der Wand des Häuschens auf die Personen übergesprungen.
      Aus diesem Fall lassen sich daher zwei weitere Verhaltensregeln ableiten: In einem Unterschlupf sollte man sich möglichst weit weg von den Wänden oder anderen geerdeten Bauteilen befinden. Ist man in einer Gruppe unterwegs, so sollte man weiterhin auch zu den anderen Personen einen möglichst großen Abstand halten und sich dabei natürlich nicht an den Händen halten (dies gilt generell)!
      Blitzschlag ist speziell in/nahe Gewässern gefährlich. Zieht ein Gewitter auf, so sollte man möglichst sofort das Wasser verlassen (Meer/See/Fluss…). Selbst wenn die Spannung bzw. der Strom nicht mehr unbedingt tödlich ist, wenn der Blitz einige hundert Meter bzw. einige km entfernt in das Wasser schlägt, so reicht es dennoch für das Verkrampfen der Muskulatur. Dabei kann man sehr leicht ertrinken, selbst wenn das Wasser nur knietief ist. Auch am Strand ist man einer erhöhten Gefahr ausgeliefert, da kaum andere erhöhte Objekte in der Umgebung sind.
      Weitere sehr gefährliche Orte sind: Auf dem Fahrrad/Motorrad (viel Metall, aber kein Fahraday’scher Käfig!), Boote/Schiffe (erhöht + gut geerdet), Fußball- und Golfplätze, in der Nähe von Funkmasten/Strommasten/etc. sowie in alpinem Gelände (sehr gefährlich!).
      Doch wo ist es denn nun sicher? Als sicher gelten Gebäude (Blitzableiter) sowie Autos und andere Fahraday’sche Käfige. Im Auto ist darauf zu achten, dass alle Türen geschlossen sind und dass man möglichst keinen Körperkontakt zu Metallteilen der Karosserie hat.
      Es ranken sich viele Mythen um Blitzeinschläge in Gebäude und deren Folgen. Beispielsweise: Während eines Gewitters darf man nicht Telefonieren und nicht Duschen. Was ist dran?
      Fakt ist, dass man auch innerhalb eines Gebäudes die Wirkung des Blitzes abbekommen kann. Dies hängt vor allem mit dem System aus elektrischen Leitungen zusammen und damit, wie gut das Gebäude gegen Blitzschlag geschützt ist. Pauschal lässt sich dennoch sagen, dass man keine Geräte mit Stromanbindung direkt in den Händen halten sollte. Dazu zählt auch ein Kabeltelefon. Wer ein schnurloses Telefon besitzt, der kann gefahrlos auch während eines Gewitters telefonieren.
      Je nach Art der Wasserleitungen kann der Blitz auch über den Wasserhahn/die Dusche für eine Gefährdung sorgen. Daher sollte man tatsächlich nicht Duschen/Baden, wenn es draußen blitzt und donnert.
      Doch was macht man, wenn eine Person nun tatsächlich vom Blitz getroffen wird? Wie stark die Verletzungen durch einen Blitzschlag sind, hängt von vielen Faktoren ab (Stärke und Art des Blitzes, Feuchtigkeit der Haut, Verlauf des Stroms im Körper, etc.). Neben dem sofortigen Notruf und den allgemeinen Erste-Hilfe Regeln ist auch unbedingt der Puls zu prüfen. Nicht selten kommt es durch den starken Strom und die hohen Spannungen zu einem Herzstillstand, welcher bis zum Eintreffen der Rettungskräfte durch Herzdruckmassage behandelt werden muss. Auch hier gibt es teilweise noch Vorbehalte, da manche Leute befürchten die Person nicht anfassen zu dürfen. Sie fürchten dabei selbst einen Stromschlag zu bekommen. Auch dieser Mythos ist falsch! Das Berühren einer vom Blitz getroffenen Person ist gefahrlos möglich!

     

  • Sturm

    Rangiert subjektiv wahrgenommen meist deutlich hinter Blitzschlag, ist aber mindestens genauso gefährlich. Auch hier gilt es Bäume strikt zu meiden. Besonders gefährlich sind freistehende Bäume, welche dem Wind die volle Angriffsfläche bieten. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob man sich in einem Fahrzeug befindet oder nicht. Autos werden i.d.R. von größeren Bäumen einfach zerquetscht. Mitten in einem Wald ist die Gefahr zwar nicht ganz so hoch, allerdings ist es speziell bei Downbursts, bei denen der Wind mehr oder weniger von oben kommt, auch hier denkbar, dass Bäume entwurzelt werden oder abbrechen. Dabei muss nicht mal der ganze Baum umfallen. Es reicht bereits ein Treffer eines größeren Astes, welcher schnell auch einige hundert kg wiegt.
    Während oder nach einem Sturm (ob vom Gewitter verursacht oder von einem Sturmtief etc. spielt dabei natürlich keine Rolle) ist auch das Autofahren an sich gefährlich. Zum einen kann man während der Fahrt in der Nähe eines Gewitters in starke Windböen kommen, die dann Bäume am Straßenrand umwerfen, zum anderen kann man mit umgestürzten Bäumen/abgerissenen Ästen etc. auf der Fahrbahn konfrontiert werden, selbst wenn das Gewitter schon längst vorbeigezogen ist. Auf diese Weise sterben leider jedes Jahr viele Autofahrer.

    Weiterhin sollte man sich von leicht beweglichen Gegenständen mit großer Angriffsfläche (Schirme, Tische etc.) fern halten, da diese bei starken Windböen zu regelrechten Geschossen werden können. Auch Zelte und Bühnenaufbauten stellen speziell bei Großveranstaltungen eine erhebliche Gefahr dar! Zum Thema der Massenveranstaltungen seien später noch ein paar Dinge gesagt.
    Am besten aufgehoben ist man auch hier in größeren, massiven Gebäuden. Das freie Feld stellt (mal vom Blitzschlag abgesehen) beim Sturm kaum Gefahr dar.
  • Hagel

    Kleinerer Hagel bis 1 cm ist meist nur sehr unangenehm, verursacht aber recht selten ernstere Verletzungen. Wird man ohne Schutz allerdings von größerem Hagel getroffen, so kann dies sehr gefährlich sein. Allein im Jahr 2013 konnte ich acht Hagelgewitter dokumentieren, bei denen die Hagelkörner größer als 3 cm waren. Bei drei Gewitterzellen war er sogar größer 5 cm und in einem Fall erreichte er 7 cm und mehr. Speziell wenn die Hagelschlossen mehr als 5 cm Durchmesser haben, besteht ohne Schutz Lebensgefahr. Diese Geschosse können durch Windböen zusätzlich beschleunigt werden und treffen oft auch mit einem schrägen Winkel auf die Erde. Sie verursachen dabei Prellungen, Platzwunden oder im Fall von großem Hagel durchaus auch Knochenbrüche.
    Am 06.08.13 fielen entlang der schwäbischen Alb Hagelbrocken mit Durchmessern über 14 cm. Wer von einem solchen Eisbrocken am Kopf getroffen wird, erleidet sehr wahrscheinlich einen tödlichen Schädelbruch. Den massivsten Hagelschlag, den ich bisher live erlebt habe, ging am 30.06.12 nieder. Damals fielen Eiskörner mit Durchmessern bis 9 cm vom Himmel. Durch dieses Ereignis wurde auch mir die Gefahr des Hagels wieder ins Gedächtnis gerufen.

    Klammert man die anderen Gefahren (Blitz/Sturm) aus, lässt sich vor Hagel allerdings recht einfach Schutz suchen. Berücksichtigt man die anderen Gefahren allerdings, ergeben sich auch hier wieder die üblichen sicheren Orte: Massive Gebäude und Fahrzeuge. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass der Hagel zum Bruch von Scheiben sowohl in Gebäuden, als auch in Fahrzeugen führen kann. Handelt es sich um Sicherheitsglas (z.B. Frontscheibe Auto), besteht Gefahr von sehr feinen Glassplittern, welche in den Augen schwere Verletzungen hervorrufen können. Handelt es sich um normales Glas, besteht die Gefahr von scharfen Scherben, welche Schnittwunden verursachen können.
    Neben der direkten Gefahr durch die Hagelkörner bringt Hagelschlag noch eine andere Gefahr mit sich: Plötzliche Überschwemmungen. Hierfür reichen auch kleine Hagelkörner mit Durchmessern unter 1 cm aus, solange sie in der nötigen Masse vom Himmel fallen. Das Wasser ist in Hagelschlossen effektiv gebunden. Beim Abtauen am Boden wird dieses dann teilweise sehr schnell freigesetzt (vor allem bei kleinerem Hagel und in Kombination mit Regen). Die Gefahren, die sich daraus ergeben, werden im nächsten Punkt aufgeführt.
  • Regen/Platzregen

    Fast alle Gewitter gehen mit kräftigem Regen einher. Normalerweise ist dies harmlos und verursacht keine Probleme. Es gibt allerdings Situationen und Orte, die man wenn möglich meiden sollte.
    Gefährlich wird es speziell dann, wenn ein Gewitter ortsfest ist oder eine langsame Verlagerungsgeschwindigkeit aufweist, hohe Regenmengen im Gepäck hat und zusätzlich von kleinem/mittelgroßem Hagel begleitet wird. In solchen Fällen können in kürzester Zeit extreme Niederschlagssummen zustande kommen. In Städten und auf flachem Gelände führt dies i.d.R. zu Überschwemmungen. In bergigem Gelände, speziell in (Fluss-)Tälern, ist die Situation hingegen sehr ernst. Die enormen Wassermassen fließen hier kanalisiert ab und erzeugen reißende Ströme. Solche „flash-floods“ sind sehr gefürchtet und treten häufig innerhalb kürzester Zeit auf. Ein tragisches Beispiel hierfür ist das Hochwasser im Killertal an der schwäbischen Alb, bei dem drei Menschen den Tod fanden. Täler, Schluchten, Berghänge, sonstige Engpässe sowie die Nähe von Bächen und Flüssen sollten während Gewittern daher absolut gemieden werden.

  • Tornados

    Tornados sind in Deutschland nicht ganz so selten, wie man vielleicht denken mag. Bei den meisten handelt es sich allerdings um eher schwache Vertreter nicht-mesozyklonalen Ursprungs (d.h. sie bilden sich nicht an einer Superzelle). Zwar können auch diese recht kräftig sein, die Langlebigkeit und Stärke von mesozyklonalen Tornados erreichen sie jedoch selten. Die Stärke von Tornados wird mit Hilfe der sog. Fujita-Skala angegeben (bzw. in der Enhanced Fujita-Scale). Diese reicht von F0 (schwach) bis F5 (sehr stark).
    Da stärkere Tornados (> F2) in Deutschland wirklich eher selten sind, ist auch die Gefahr für die Allgemeinbevölkerung hierzulande sehr gering. Daher soll hier nun nicht zu genau auf die Verhaltensregeln eingegangen werden. Es sei gesagt, dass man während eines Tornados nur in massiven Gebäuden – und hier am besten im Keller – halbwegs sicher aufgehoben ist. Alle anderen Orte bieten – abhängig von Stärke des Tornados – keinen ausreichenden Schutz. Und bei einem F5 Tornado werden dann selbst massive und große Häuser komplett dem Erdboden gleich gemacht.

Ein paar Worte zu Massenveranstaltungen

Solche Events (Konzerte, Festivals etc.) sind generell besonders gefährdet! Nicht nur, weil sich hier viele der oben beschriebenen Gefahrenquellen wieder finden, sondern auch durch die Masse der Menschen und deren Zustand (Alkohol, Feierlaune und co.). Tritt hier ein Zwischenfall (großer Hagel, Sturm, Blitzschlag in die Menge) auf, kommt es sehr leicht zu einer Massenpanik, welche eine zusätzliche Gefahr darstellt. Auch hierzu gibt es bereits leider einige Beispiele:
5 Tote auf Festival bei Unwetter in Belgien
Viele Verletzte durch Blitzschlag auf Festival in Ostdeutschland
Viele Verletzte durch Sturm bei Sportveranstaltung in Biel/CH
– etc.
Persönlich appelliere ich daher an jeden einzelnen Besucher solcher Events, sich vorher über das Wetter zu informieren und ein wachsames Auge auf den Himmel zu haben. Die Veranstalter selbst werden in aller Regel zwar von Fachkräften unterstützt, allerdings spielen bei den Entscheidungsfindungen (Absage/Räumung/Evakuierung) allzu oft auch kommerzielle Gedanken eine Rolle. Die Besucher sollten sich daher auch auf ihre Eigenverantwortung besinnen.

 

Fazit

Am sichersten ist man während eines Gewitters in massiven Gebäuden und mit kleinen Einschränkungen auch in Fahrzeugen. Den Aufenthalt im Freien sollte man meiden. Falls dies nicht möglich ist, sollte man die oben genannten Verhaltensregeln beachten. Generell gilt zudem: Keine Panik/Hektik! In Ruhe überlegen und die nötigen Maßnahmen einleiten. Und dann ist es ja so, dass Gewitter durchaus auch schön sein können. Also ruhig auch mal genießen!

Sturmjagd und Sicherheit; Beispiele von brenzligen Situationen

Betreffend Blitzschlag: Es kommt durchaus vor, dass Blitze nur einige hundert Meter entfernt einschlagen, während man noch Fotos/Videos macht. I.d.R. will man die Zeit bis zum Eintreffen der Gewitterzelle voll ausnutzen und geht daher ein etwas erhöhtes Risiko ein. Im Idealfall bewegt sich die Gewitterzelle frontal auf die eigene Position zu und man sieht, wo die Mehrzahl der Blitze einschlägt. Kommt diese Region zu nahe (< 2 km), gehe ich im Normalfall ins Auto. Die Kameras bleiben häufig noch stehen und werden mit Fernauslöser bedient. Spannend wird es dann noch einmal, wenn man das Equipment einpacken muss, weil es beginnt zu regnen/winden.
Bei dieser Vorgehensweise (aber auch generell) bestehen zwei große Gefahren: Es gibt durchaus Blitzentladungen, die viele Kilometer vom eigentlichen Gewitterkern einschlagen. Diese Blitze kommen häufig aus dem Eisschirm der Zelle und können am Boden wie aus heiterem Himmel wahrgenommen werden. Am 19.06.13 beispielsweise fuhren wir eine Superzelle in Lothringen/Frankreich an, als plötzlich ein Blitz in den Boden schlug, obwohl die Zelle noch ca. 15 km entfernt war!
Die andere Gefahr bilden Neuentwicklungen. Nicht selten entwickeln sich einige km vor der anvisierten Gewitterzelle neue Aufwindtürme. Während man dies mit etwas Erfahrung tagsüber noch sehr gut sehen kann, hat man nachts ein echtes Problem. Leider ist es zusätzlich so, dass solche neuen Zellen durchaus auch bereits Blitze produzieren können, obwohl noch kein/kaum Niederschlag am Boden ankommt. Auch hier kann es dann zu Blitzschlag aus „heiterem Himmel“ kommen. Es kann also sein, dass man sich auf eine Gewitterzelle konzentriert und dabei nicht bemerkt, dass genau über dem eigenen Kopf eine neue Zelle entsteht. Nachts muss man daher immer sehr aufmerksam sein. Da auch das Radar solche Entwicklungen zu spät erfasst, ist einmal mehr Erfahrung und eine feine Sensorik gefragt. Häufig merkt man an den Bodenwinden, dass irgendetwas im Busch ist. Oder man hat Glück und die eigentliche Gewitterzelle leuchtet die Neuentwicklungen durch ihre Blitzaktivität kurzzeitig aus.
Weiterhin steht man als Sturmjäger natürlich beabsichtigt auf freiem Feld, am besten leicht erhöht. Das ist natürlich nicht sonderlich ideal. Allerdings hat man dabei immer das Auto als Rückzugsort nur wenige Meter entfernt. Selbst wenn man die Statistik ausreizt und man als Sturmjäger eine Wahrscheinlichkeit von, sagen wir mal 1:1.000.000 hat, innerhalb eines Jahres vom Blitz getroffen zu werden, so ist die Gefahr im Straßenverkehr zu verunglücken immer noch deutlich höher!
Ein Zeichen, dass man sich in einer gefährlichen Situation befindet ist es, wenn sich die Haare am Körper beginnen aufzustellen. Während man dies bei den Haaren auf dem Kopf häufig nicht selbst bemerkt, macht es sich an den Armen etc. oft durch ein Kitzeln bemerkbar (schon des Öfteren erlebt). Das elektrische Feld ist dann bereits sehr hoch und deutet meist auf einen bevorstehenden Einschlag im näheren Umfeld hin. Die Feldliniendichte ist dabei in dünnen/spitzen Objekten (hier: Haare) am höchsten. Dieser Effekt sorgt auch noch für ein anderes Warnzeichen: Elmsfeuer. Dabei handelt es sich um kleine elektrische Entladungen aus eben solchen dünnen/spitzen Objekten. Gesehen habe ich ein Elmsfeuer noch nie, gehört habe ich es allerdings schon oft. Die kleinen Entladungen sorgen nämlich für ein Surren/Rattern an Antennen/Blitzableitern/etc.
Alpinisten berichten immer wieder von solchen Elmsfeuern an Gifelkreuzen oder sogar am eigenen Wanderstock. Ein Gewitter im alpinen Raum gehört vermutlich zu den schlimmsten Erfahrungen, die man machen kann. Man befindet sich quasi in den Wolken, hat keine Sicht und ist für Blitzeinschläge absolut gefährdet. Dazu kommt, dass man häufig keinen Unterschlupf suchen kann. Wer mehr darüber erfahren will, dem empfehle ich eine Dokumentation des schweizer Fernsehsenders SRF, welche man online hier anschauen kann.
Ein sehr einprägsames Erlebnis hatte ich vor einigen Jahren. Damals induzierte eine Wolkenentladung über meinem Kopf einen Strom im Regenschirm, mit dem ich mich und die Ausrüstung vor dem Regen schützte. Unglücklicherweise hatte ich Hautkontakt zu einem Metallteil des Schirms und bekam dadurch einen nicht unerheblichen Stromschlag. Dieser war ungefähr mit einem Schlag durch einen Kuhzaun vergleichbar. Der Kern des Gewitters war damals noch gute 10 km entfernt.
Was Sturm angeht, so versucht man als Sturmjäger die Nähe von Bäumen stets zu meiden. Die Standorte, an denen man auf das nahende Gewitter wartet, sind mit aus diesem Grund meist Äcker, Wiesen und Felder. Hier verursacht der Sturm generell so gut wie keine Probleme.
Allerdings kann es während der Fahrt wie weiter oben beschrieben durchaus gefährlich werden.

Brenzlig wurde es durch Sturm sicher das ein oder andere mal, wobei mir ein Ereignis in sehr guter Erinnerung geblieben ist. Wir jagten dabei eine Superzelle am späten Abend und in der Nacht. Als die Zelle über unsere Position herein brach, sorgte sie für Platzregen und größeren Hagel. Wir versuchten daher, aus dem Kern der Zelle heraus zu fahren und uns möglichst noch einmal vor die Zelle zu setzen. Dabei fuhren wir dann leider einige Zeit mitten im Zellkern bei völliger Dunkelheit, welche nur durch das fast sekündliche Blitzgeflacker erhellt wurde. Plötzlich kamen wir dann in einen schweren Downburst mit Hagel und white-out, der das Fahren quasi unmöglich machte. Dabei gab es mit Sicherheit Böen über 120 km/h. Problematisch wurde es dann dadurch, dass wir nicht anhalten und warten konnten, da das Stroboskop-ähnliche Geflackere der Blitze erahnen ließ, dass wir uns gerade inmitten einer Allee von Großen Bäumen befanden. Das war eine echt ungünstige Situation, in der es einem dann auch etwas mulmig wird.
Da man als Sturmjäger ja quasi immer das Fahrzeug als Rückzugsort hat, besteht seitens des Hagels nur die Gefahr, dass die Scheiben zu Bruch gehen. Tatsächlich gab es bereits einige Situationen, in denen ich mit dem Verlust der Seitenscheiben bzw. der Heckscheibe gerechnet habe. Doch obwohl wir schon einige Male in Großhagel kamen, ist bisher nur einmal die Frontscheibe gerissen. Dies ist natürlich auch mit einigem Glück verbunden. Beim Hagelschlag mit 9 cm wurde beispielsweise wie durch ein Wunder keine der Scheiben direkt getroffen. Nur die Frontscheibe kassierte einen Randtreffer, welcher jedoch ausreichte die Scheibe zu zerstören.
Standardmäßig wird das Auto bei drohendem Hagelschlag in den Wind gedreht. D.h. die Heckscheibe zeigt in die Richtung, aus der man den stärksten Wind vermutet. Eine eingeschlagene Heckscheibe ist noch das kleinste Übel. Eingeschlagene Seitenscheiben, die einem dann u.U. noch in den Schoß fallen, oder gar eine zerstörte Windschutzscheibe, welche die Heimfahrt unmöglich macht, sind deutlich unangenehmer.