18.08.2017 – Superzellengewitter auf der Alb und KF-Durchgang im Allgäu

Dies ist nun der letzte noch ausstehende Bildbericht aus dem Jahr 2017 und obwohl nun schon knapp 5 Monate vergangen sind lohnt ein genauer Blick auf diesen Freitag. Große Teile Deutschlands hatten es mit einer potentiell instabilen Luftmasse im Vorfeld einer Kaltfront zu tun, eine der klassischen Schwergewitterlagen im Süden (Synoptik von Estofex; Sondenaufstieg STR 12z). Die Scherungswerte erlaubten zusammen mit der vorhandenen Labilität den Modellrechnungen zufolge einige langlebige und rotierende Systeme bevor gegen Abend der Kaltfrontdurchgang mit viel Wind im Gepäck die Luftmasse ausräumen sollte. Wie immer war die Positionierung eine der zentralen Fragen wenn es um das Jagen von vorlaufenden Superzellen geht. Einiges sprach für den Nordschwarzwald, andere Parameter machten aber auch die Baar/schwäbische Alb/Donau interessant. Um möglichst gut aufgestellt zu sein, ging die Reise erst einmal in die Nähe des Autobahnkreuzes A8/A81. Gegen 14:45 Uhr kam es bei Strasbourg zur Bildung einer ersten interessanten Zelle (Radar). Der typischen Zugbahn eines etwaigen Rightmovers zufolge würde diese Zelle – sofern sie die Passage des nördlichen Schwarzwalds überleben würde – irgendwo in der Heilbronner Ecke heraus. Während die Zelle im Rheintal einen Zellsplit vollzog, kam eine kleine Linie Cu/Cu-con im Schauerstadium aus dem Gäu kommend schnell über unsere Köpfe hinweg in Richtung NO gezogen (Radar). Es wurde nun zunehmend chaotisch, denn einerseits tauchten weiter südlich im Schwarzwald bei Lahr ebenfalls erste vielversprechende Signale auf dem Radar auf, andererseits schienen sich die Zellen aus der Schauerlinie, welche uns leider schon passiert hatten, zu verstärken und der ursprünglich angepeilte Rightmover im Rheintal machte zu diesem Zeitpunkt keine gute Figur (Radar). Die Entscheidungsfindung in solchen Fällen ist nicht einfach. Eine Option wäre die Region Heilbronn gewesen, mit der Hoffnung, dass sich die Rheintal Zelle verstärkt und durchhält. Eine andere Option wären die Entwicklungen quasi über unseren Köpfen gewesen, diese wären allerdings schwer erreichbar gewesen (-> direkt Verfolgungsmodus). Eine weitere Option stellten die Entwicklungen weiter südlich dar (interessant für den Raum Tübingen/Reutlingen). Wir entschieden uns vorerst einfach nach Osten zu fahren um dem ganzen Geschehen noch etwas Zeit zu geben. Während der Fahrt zeigte sich, dass Heilbronn eine gute Option gewesen wäre, die Rheintal-Zelle mauserte sich nämlich zu einer ordentlichen Superzelle. Auch aus der Schauerlinie hatten sich zwischenzeitlich mächtige (Super)-Zellen bei Schwäbisch Hall gebildet, diese wären aufgrund der Infrastruktur aber unerreichbar gewesen (Radar). Die Entwicklung im mittleren Schwarzwald sah hingegen nicht gut aus und wir fuhren daher vorerst weiter nach Osten in der gewitterfreien Zone. Wir sahen, dass sich am gesamten Albtrauf  etwas tat und mächtige Cu-con in die Höhe schossen. Daher beschlossen wir über Geislingen an der Steige in Richtung Ulm auf die Alb und damit nach Süden zu fahren. Es ging nun schnell und einige der Zellen am Albtrauf erreichten den Status eines Gewitters. Von der Albhochfläche sahen die Aufwinde allerdings nicht so prickelnd aus (hochbasig, wenig strukturiert) (Video inkl. Zeitraffer findet sich ganz unten):
 
Das Radar offenbarte jedoch, dass sich deutlich weiter südwestlich zwischen Balingen und Reutlingen eben ein Zellsplit vollzogen hatte und der Rightmover mit hoher Intensität auf die Alb gezogen war (Radar). Wir standen für diese Zelle noch etwas zu weit nördlich und fuhren daher weiter bis Lonsee zwischen Geislingen und Ulm. Und da war sie dann auch schon zu sehen, die erste wirklich fotogene Entwicklung an diesem Tag. Die rotierende Zelle kam ziemlich genau auf uns zu und sollte uns knapp nördlich passieren. Wir konnten den Aufzug daher in aller Ruhe verfolgen und genießen:
 
Nachdem der kräftige und recht warme RFD zusammen mit ein paar wenigen Tropfen an unserer Position eintraf, zeigte das Radar, dass auf fast derselben Zugbahn eine weitere Zelle aus Südwesten gezogen kam. Wir blieben daher an unserer Position und konnten auch die zweite Zelle schön verfolgen. Diese sah anfangs mit ihrer tiefen und großen Wallcloud wirklich beeindruckend aus, verlor aber leider im weiteren Verlauf ihre schöne Struktur. Weil sie auch nicht mehr ganz so stark ausscherte zog sie noch weiter nördlich als Zelle Nr. 1 durch:
 
Weil es optisch nun nichts mehr zu holen gab versuchten wir noch in die zweite Zelle hinein zu fahren (corepunch). Aufgrund der Verkehrslage kamen wir allerdings zu spät und kassierten nur noch etwas Platzregen. Es war nun zu spüren wie der Coldpool der Zellen die Kaltluft aus NW (Stichwort Kaltfront) mit richtiger Wucht über die Alb schwappen ließ. Der Wind drehte plötzlich auf Nordwest, wurde stürmisch und richtig unangenehm kalt. Für das nördliche und mittlere BaWü war es das nun mit Gewittern und eine Chance bestand nur noch weiter im Südosten, wo die zwischenzeitlich in der Schweiz gebildete Gewitterlinie bald durchrauschen sollte. Es ging daher über die A8 und A7 weiter in Richtung Allgäu wo wir zwischen Illertissen und Kempten die Autobahn verließen. Der stürmische NW-Wind brach auch hier schon voll durch und so war der KF-Durchgang nur wenig fotogen (siehe Video). Auf der Rückfahrt zeigte sich die Front dann aber doch noch von ihrer schönen Seite: Mit der untergehenden Sonne offenbarte sich uns ein wunderschönes Farbenspiel. Zusammen mit einem schwachen Regenbogen und einigen Blitzen war das dann ein versöhnliches Ende eines spannenden Gewittertags, der für uns jedoch noch nicht ganz beendet war. Da Superzelle Nr. 1 auf dem Radar teilweise massive Reflektivitäten aufwies (= starker Hagelschlag) fuhren wir auf dem Heimweg in der Dunkelheit noch die interessanteste Gegend bei Römerstein auf der Uracher Alb an. Tatsächlich waren die Maisfelder schwer mitgenommen, Hagel konnten wir anfangs jedoch nicht mehr finden (zwischenzeitlich waren einige Stunden vergangen und es hatte viel geregnet). Durch gezieltes Abfahren der laut Radar am schwersten getroffenen Gegend fanden wir jedoch dann doch noch größere Hagelmassen wobei die Schlossen über 5 h nach Durchzug der Zelle teilweise noch Durchmesser von 5.5 cm aufwiesen! Zum Zeitpunkt des Hagelschlags dürften damit teilweise 6+ cm Brocken dabei gewesen sein:



 

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