30.07.17 – Schwere Hagelgewitter entlang der Donau

Lange ist es her und ich komme aufgrund von beruflichen Verpflichtungen leider erst jetzt, kurz vor Ende des Jahres 2017, dazu die noch ausstehenden Berichte zur vergangenen Saison zu schreiben.
Am 30.07. standen die Zeichen in Süddeutschland auf Sturm. Die Wetterlage sollte vor allem im südlichen BaWü/Bayern für kräftige und teilweise auch organisierte Gewitter sorgen. Wir brachen daher frühzeitig auf und fuhren über die Alb in Richtung Donau, wo wir am ehesten mit der frühzeitigen Auslösung rechneten. Während unserer Fahrt nach Ulm kam es dann tatsächlich gegen 14:15 Uhr bei Albstadt zur Bildung einer ersten Zelle. Diese schien mit ihrem Nordostkurs genau in die von uns angesteuerte Region kommen. In der Nähe von Langenau beim Kreuz A8/A7 stellten wir uns auf und konnten die anrauschende Zelle gut dokumentieren. Sowohl auf dem Radar, als auch optisch mauserte sich das Gewitter dabei zu einem ziemlichen Brummer inkl. wall cloud:

Nachdem die Zelle fast über unseren Köpfen war, packten wir schnell zusammen und versuchten darauf hin noch einmal deutlich vor die Zelle zu kommen. Bei Sontheim an der Brenz kamen wir dann aber voll in den Niederschlagskern, welcher es mit dichtem Hagelschlag von 2-4 cm wirklich in sich hatte. Über die B16 vorbei an Dillingen an der Donau fuhren wir darauf hin quasi permanent im Kern der Zelle und damit im Hagelschlag mit. Wie im Video zu sehen kam es immer wieder zu white-out ähnlichen Bedingungen mit Hagel, starkem Wind und Sichtweiten unter 30 m. Leider konnte man auch hier wieder einmal falsches Verhalten von anderen Verkehrsteilnehmern dokumentieren. Aufgrund des Hagels blieben diese teilweise mitten auf der Bundesstraße unter Brücken stehen (einmal sogar auf beiden Fahrspuren!). Autos, welche nicht im dadurch verursachten „Stau“ stehen wollten, mussten gefährlich überholen, was bei diesen Bedingungen und Gegenverkehr absolut gefährlich ist. Noch schlimmer war das Vorgehen eines KFZ Fahrers, welcher sein Fahrzeug unter einer Brücke mitten in einer langgezogenen Unterführung – und damit quasi am tiefsten Punkt – parkte. Bei dichtem Hagelschlag und starkem Regen ist das schon fast lebensmüde!
Nordöstlich von Dillingen brachen wir die Jagd auf diese Zelle schließlich ab, da durch den Hagel und die begleitenden Umstände keine Chance mehr bestand vor die Zelle zu kommen – zudem zeigte sie im Donauried klassischerweise eine Abschwächung. Es war noch früh am Tag und wir wussten, dass es das noch nicht gewesen war.
Um wieder in eine bessere Position zu kommen, fuhren wir daher zurück in die Region Ulm und warteten bei Ehingen auf die nächste Runde. Und tatsächlich ging es etwas später gegen 19:15 Uhr erneut los. Dieses Mal löste es auf der Baar bei Tuttlingen aus und wir standen erneut nicht schlecht. Es handelte sich hierbei jedoch nach kurzer Zeit nicht mehr um eine einzelne Zelle, sondern um mehrere Zellen die zudem eine etwas konfuse Zugrichtung aufzeigten. Mehrere dieser Zellkerne waren sehr gut organisiert und wiesen – wie vermutlich schon die Zelle am Nachmittag – eine Mesozyklone auf (auch die meteorologischen Randbedingungen passten):

Leider standen wir nun so, dass eine interessante Zelle nördlich von uns auf der Alb durchging, die andere südlich. Wir fuhren darauf hin wieder nach Osten und hofften so eine Korrektur vornehmen zu können. Die Zellen waren jedoch einfach zu schnell für die Straßenlage vor Ort und so konnten wir nur noch die in Richtung Augsburg abziehende Zellen von hinten fotografieren. Speziell die südlichste Zelle sah dabei sehr beeindruckend aus. Der Aufwindturm wurde ständig von Blitzentladungen erleuchtet (es war inzwischen fast dunkel):

Gegen 23:10 Uhr war dann schließlich auch diese Zelle zu weit weg, um noch weitere Fotos machen zu können. Wie wir jedoch auf dem Radar schon früher bemerkt hatten, war der Tag offensichtlich noch immer nicht beendet. Aus Westen kam eine mächtige Gewitterlinie auf uns zu gezogen. Für einen besseren Standort fuhren wir zunächst noch etwas nach Süden. Anfangs sah man zwar die Blitzentladungen, von Struktur war allerdings noch nichts zu sehen. Kurze Zeit später (23:40 Uhr) konnte man dann aber eine von Blitzen erleuchtete und sehr interessante Struktur ausmachen. Ob es sich hierbei um eine wall cloud eines eingelagerten Zellkerns handelte oder um das Anfangsstadium einer shelf cloud, kann hier nicht mit Sicherheit gesagt werden. Um näher an dieser Entwicklung zu sein, fuhren wir darauf hin allerdings noch einmal etwas weiter nach Süden:

Zwischenzeitlich war von der Struktur nicht mehr viel zu sehen und die Gewitterlinie war schon recht nahe. Im Blitzgeflackere kam dann jedoch wieder die bei einer solchen Linie fast schon obligatorische shelf cloud zum Vorschein. Die Szenerie zusammen mit einsetzenden Sturmböen war wirklich beeindruckend:

Kurz bevor der Niederschlag einsetzte und den Gewittertag endgültig beendete, konnte ich noch eine wirklich Lehrbuchhafte Entwicklung auf Bild bannen. Es handelt sich dabei um einen sog. Regenfuß, welcher einen sich entwickelnden Downburst (d.h. starke Fallwinde) zeigt. In dieser Ausprägung ist so etwas nur selten zu sehen, nachts sowieso:

Alles in Allem war das ein wirklich beeindruckender und vielseitiger Gewittertag!
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