18.05.2017 – Superzellengewitter auf der schwäbischen Alb

Am Donnerstag, 18.05.2017 stand Deutschland eine Gewitterlage bevor. Die Parameter für organisierte Gewitterzellen (DLS, SREH) sahen für den Südwesten in den grobmaschigen Wettermodellen zwar nicht wirklich schmackhaft aus, bei genauerer Analyse fiel jedoch ein kleines Areal auf, in welchem es gegen Abend im Bereich zwischen Abltrauf, Baar und Donau zur Überlappung von erhöhter DLS von immerhin 30 kt mit mäßigem CAPE kommen sollte. Tatsächlich zeigte der Sondenaufstieg in STR von 12z etwas Potential für die ein oder andere organisierte Zelle. Wir entschieden uns daher frühzeitig auf die Alb zu fahren und warteten dort – anfangs vergeblich – auf die Auslöse. Um 17:30 Uhr bildeten sich auf der Baar bei Tuttlingen einige Schauer, von welchen sich einer etwas später zu einem Gewitter mauserte. Diese Zelle stach recht schnell durch ihre Radarsignatur und ihr leichtes Ausscheren nach Süden hin ins Auge. Tatsächlich verstärkte sich die anfangs nur schwache Zelle auf ihrem weg nach NO immer weiter, was nicht verwunderlich war, lag weiter östlich doch die deutlich „bessere“ Luftmasse. Wir positionierten uns nun nahe am Albtrauf bei Bad Urach und konnten beobachten,wie sich die Zelle sehr rasch in eine äußerst fotogene Superzelle entwickelte. Außerdem gesellte sich mit etwas Abstand nach Norden ein weiterer Zellkern (auch dies höchstwahrscheinlich eine Mesozyklone) zu unserem Gewitter. Auf dem Radar war der Anblick der beiden starken, sehr blitzaktiven und ansonsten absolut isolierten Zellen wirklich schön anzusehen. Noch besser war allerdings der Bick von unserer Position nach Südwesten. Derartige Strukturen sieht man auf der Alb wirklich nicht häufig. Wir ließen die Zelle fast bis auf unsere Position heranziehen, bevor wir uns im wirklich schlechten Straßennetz vor Ort erneut versuchten vor das Gewitter zu setzen. Letztendlich gelang es uns quasi permanent mit ca. 5-10 km Distanz zum Starkniederschlagskern der Zelle bis nach Göppingen zu fahren. Dort sorgte der Verkehr dann allerdings dazu, dass wir unseren mühsam erarbeiteten Vorsprung verloren und die weiterhin sehr schön strukturierte Zelle passieren lassen mussten. Genug der Worte, hier nun ein Zeitraffer des Aufzugs, einige Videoszenen der „Jagd“ sowie einige Bilder der wunderschönen Zelle.

Auf diesem Bild, das am Albtrauf ca. auf Höhe von Kirchheim Teck entstand, sieht man am rechten Bildrand die wall-cloud der parallel nördlich ziehenden Zelle:
Das letzte Bild stammt aus Göppingen, wo wir den Aufwindbereich noch einmal direkt über unsere Köpfen ziehen ließen:
Anzumerken ist, dass es doch recht selten vorkommt, dass (Super)Zellen, welche sich weit auf der Alb gebildet haben, den Sprung von der Alb herunter überleben. Häufig wird durch die Orografie und die stark modifizierten Bodenwindfelder vermutlich der Inflow der Zellen gestört. Dies gilt auch für den Fall von Zellen, die Aufgrund des steuernden Windfelds „auf die Alb hoch“ ziehen müssen. In diesem Fall schaffte die Zelle es nicht nur von der Alb herunter, sie zeigte sich davon nicht wirklich beeindruckt und zog im weiteren Verlauf des Abends noch bis nach Franken, Bayern. Lokal brachte das Gewitter größere Mengen an kleinem Hagel, über weitere Schäden ist uns bis jetzt allerdings nichts bekannt.
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