07.07.15 – Superzelle bei Ludwigsburg

Nachdem es bereits am Sonntag, 05.07. in großen Teilen Deutschlands schwere Gewitter gab, wurde die instabile Luftmasse erst einmal ausgeräumt. Durch ein Randtief wurde am Dienstag, 07.07. allerdings aus Südwesten eine ähnlich feucht-labile Luftmasse zurück nach Deutschland advehiert. Erneut war mit hohen Energiewerten um 2 kJ/kg CAPE sowie einer ausgeprägten Windscherung zu rechnen. Während am 05.07. vor allem der Westen und die Mitte betroffen waren, so lagen am Dienstag auch der Südwesten, Süden und Südosten im gefährdeten Bereich. Die Wettermodelle boten für die zu erwartenden konvektiven Ereignisse verschiedene Lösungen an. Interessant war, dass für die bei Südwestlagen sonst so zuverlässigen Gebiete rund um Baar, Schwarzwald-Lee, Alb und oberer Neckar aufgrund von tiefen Taupunkten die Gefahr heftiger Entwicklungen eher minimiert war. Es gab jedoch einige Modelle, die dieses Abtrocknen der Grundschicht gegen Nachmittag und frühen Abend wieder rückgängig machten. Vorerst blieben wir am Dienstag daher in „Lauerstellung“. Ein Fehler, wie sich später herausstellen sollte.
Wie erwartet kam am späten Mittag lebhafter Wind aus Südwest auf, wodurch die Taupunkte quasi abstürzten. Gut erkennbar ist das auf folgender Karte von Kachelmannwetter.de (Link). Die Gewittertätigkeit im nördlichen BaWü, RLP sowie in der Mitte Deutschlands war derweil am Aufleben. Eine gewaltige Zelle war beispielsweise in Richtung Franken unterwegs. Doch selbst bei Vollgas auf der Autobahn hätten wir sie erst auf Höhe Würzburg abfangen können – knapp 2 h später. Unsere Optionen schrumpften von Minute zu Minute und im Südwesten war bisher nichts geboten, da auch die schönen Entwicklungen entlang des französischen Juras an der burgunder Pforte schlapp machten. Die trockene Luft schien sich nicht wie von einigen Modellen berechnet zu regenerieren. Wir fuhren daher in die Region nördlich von Stuttgart und hofften doch noch auf Auslöse am Nordschwarzwald. Hier waren die Taupunkte zwar auch nicht ideal, besser als in der Region Tübingen/Reutlingen aber allemal.
Kurze Zeit später – wir waren gerade am Abendessen – bildeten sich an den nordöstlichen Vogesen und dem Rheintal einige kleine Gewitterzellen. Eine von ihnen verstärkte sich recht schnell und scherte etwas aus dem restlichen Gewaber aus. Das musste sie nun sein! Allerdings hatte die Zelle, welche an Baden-Baden vorbei zog, auch Kurs auf den Nordschwarzwald. Nicht selten zerlegt es selbst gesunde Superzellen an den Bergen des Schwarzwalds. Keine andere Option in Sicht verlagerten wir uns an die A81, von wo man bereits früh auf die Zelle sah.
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Der Standort war ganz gut, aber wir standen etwas zu weit südlich. Es ging ein paar Kilometer nach Norden bis nach Bietigheim-Bissingen. Einen idealen Standort fanden wir hier zwar nicht, dafür kam die Zelle mit nun deutlich erkennbarer wall-cloud genau auf uns zu. Es war einfach spektakulär die hohe Dynamik des Aufwindbereichs in Ruhe verfolgen zu können. Das Aussehen der wall-cloud änderte sich ebenfalls ständig. Hier einige Bilder vom Aufzug.
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Besonders interessant ist eines der letzten Bilder, die ich mit dem Ultraweitwinkelobjektiv aufgenommen habe, als die wall-cloud über unserer Position war. Hierauf ist ein kleiner, sog. RFD-cut zu sehen. Es ist dieser Bereich, in dem der Rear-Flank-Downdraft (kurz RFD)  von hinten quasi eine „Kerbe“ in den Aufwind frisst. Der RFD ist bei Superzellen ein recht trockener Wind, welcher auf der Rückseite des Gewitters nach unten strömt. Er ist maßgeblich an der Entstehung von Tornados beteiligt (Tornadogenese). In diesem Fall sieht man, wie sich in der Kerbe spiralförmige Muster und sogar eine kleine Funnelcloud (quasi die Vorstufe eines Tornados) ausbilden. Auch auf dem Video (s.u.) sind die Turbulenzen und die Rotation in diesem Bereich gut zu erkennen.
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Aufgrund des idealen Standorts zur Zelle gibt es auch einen schönen Zeitraffer, in welchem man die Dynamik der Superzelle wunderbar erkennen kann.

Wir standen quasi genau am Aufwind-Abwind Interface, wo es dann wie bei einer solchen Zelle nicht anders zu erwarten war, zu Hagelschlag kam. Der Hagel fiel fast ohne Regen und erreichte ca. 3-4 cm Durchmesser.
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Zum Abschluss noch ein Video, das einige Sequenzen des Aufzugs sowie den Hagelschlag zeigt.
 
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