27.06.15 – Hagelgewitter in Oberschwaben

Am Samstag, 27.06. sah es für Süddeutschland bereits einige Tage im Voraus nach einer interessanten Gewitterlage aus. Wie so oft in diesem Jahr war die Ausgangssituation jedoch nicht wirklich klassischer Natur. Zudem zeigten auch die Wettermodelle einige Unsicherheiten in der Vorhersage für diesen Tag. Die groben Randbedingungen für den Süden und Südosten waren: ML-CAPE um 1,5 kJ/kg, DLS um 15-20 kt sowie etwas SREH von ca. 100 m²/s² (an einigen Orten durch Topografie ggf. mehr) und ein kaum vorhandener Deckel.
Nachdem sich in der Nacht von Fr auf Sa ein großes und konvektiv durchsetztes Regengebiet aus Westen nach Deutschland ausbreitete, waren die Karten am Sa Morgen neu gemischt und die bisherige Synoptik – zumindest teilweise – hinfällig. Die hochaufgelösten Modelle rechneten zwar mit einem nächtlichen MCS aus BeNeLux, dieser sollte allerdings deutlich kleinere Ausmaße haben. Im Vorfeld dieses Regengebiets, welches vermutlich zum Warmsektor der nahenden „Kaltfront“ gehörte, entwickelten sich bereits am frühen Morgen einige Gewitterzellen. Bei Reutlingen bot sich gegen 10 Uhr folgender Anblick:

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Diese frühen Zellen lösten sich aber rasch auf und am Mittag kam durch Absinkprozesse hinter dem Regengebiet großflächig die Sonne zum Vorschein. Die angefeuchtete Grundschicht, in welche nun die starke Junisonne knallte, bereitete einen idealen Nährboden für weitere Gewitter am Nachmittag und Abend.
Wir postierten und vorerst bei Memmingen, wenngleich zu dieser Zeit die ersten Gewitter deutlich weiter im Norden unterwegs waren. An der nördlichen Albkante bildeten sich kurze Zeit später jedoch auch einige Zellen, welche wir aufgrund ihres SO-Kurses bei Ulm abfingen. Diese waren zwar kräftig, aber eher unfotogen. Von Biberach her näherten sich weiter südlich dann ebenfalls Zellen mit ONO-Kurs. Wir fuhren daher wieder in Richtung Memmingen, wo im weiteren Verlauf die Atmosphäre durch die aus NW und SW nahenden Zellen regelrecht explodierte. Wir hatten es dort anfänglich mit 5 Zellkernen zu tun, welche sich quasi über unseren Köpfen zu einem großen und sehr massiven Gewitterkomplex vereinigten.

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Durch den Hagel fuhren wir auf die Westseite des Komplexes, von wo wir eine tolle Sicht auf das gewaltige System hatten.

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In Kirchberg a. d. Iller kam es zu Hagelschlag mit Durchmessern um 4 cm.

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Weiter Südwestlich entwickelte sich währenddessen eine weitere giftige Zelle, welche von weitem ziemlich gewaltig aussah. Es ging daher direkt weiter in Richtung Leutkirch, wo wir uns der nach Norden ausscherenden Zelle in den Weg stellten.

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Nachdem der Aufwindbereich unsere Position überquert hatte, schwächelte die deutlich rotierende Zelle zwar, doch beim Abzug zeigte sich das sterbende und noch immer stark rotierende Gewitter noch einmal in voller Pracht und durch gigantische Kontraste.

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Auch als die Sonne gerade unter ging war noch eine kleine Zelle zu sehen, welche zwar kaum mehr Energie zur Verfügung hatte, durch die kräftige Scherung nun aber einen dementsprechend tollen Aufwindbereich besaß.

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