Expedition zum Etna

Der – oder besser die – Etna/Ätna auf Sizilien ist Europas höchster und auch aktivster Vulkan. Mit einer Höhe von über 3300 m überragt dieser Berg das Umland und ist für große Teile Siziliens das Wahrzeichen schlecht hin. Die Sizilianer sind sehr stolz auf ihre L’Etna; und das auch ganz zurecht. So wurde der Vulkan im Juni 2013 zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt.

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Ähnlich wie auch andere Naturgewalten üben Vulkane eine unheimliche Faszination auf mich aus. Sie bieten Einsicht in einen großen Teil der Erdgeschichte und zeigen, wie es anfangs auf unserem Planeten ausgesehen haben muss. Gerne vergisst man, dass auch unsere Erde quasi eine Feuerkugel ist und wir nur auf der äußerst dünnen „Haut“ leben. Zudem setzen Vulkane oft ungeheure Energiemengen frei. Sie beeinflussen dabei nicht nur ihre nahe Umgebung, sondern können bei größeren Ausbrüchen auch durchaus globale Auswirkungen haben. Zu den bekanntesten Vulkanen weltweit gehören der Krakatau (Indonesien; Java/Sumatra), der Pinatubo (Philippinen; Luzon), der Mt. St. Helens (USA; Washington), der Tambora (Indonesien), der Mont Pelé (Martinique), der Vesuv (Italien; Neapel), der Etna (Italien; Catania), der Kelud (Indonesien), der Sinabung (Indonesien; derzeit sehr aktiv) sowie der Merapi (Indonesien).

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Aber Vulkan ist natürlich nicht gleich Vulkan. Es gibt viele erloschene oder nur sehr wenig aktive Vulkane, bei denen auch in Zukunft keine/kaum Aktivität erwartet wird. Dann gibt es die schlummernden Vulkane, bei denen man weiß, dass sie irgendwann wieder ausbrechen werden (z.B. der Vesuv). Und schließlich gibt es Vulkane, die auch über längere Zeiträume hinweg mehr oder weniger konstant Aktivität aufweisen (z.B. der Stromboli). Zudem sind die Vulkane unterschiedlich gefährlich. Die immer wieder erwähnten sog. „Supervulkane“ beispielsweise sind tatsächlich sehr gefährliche Vertreter. Sie erkennt man i.d.R. nicht einmal durch einen Vulkankegel. Aber auch die weit verbreiteten sog. Schichtvulkane sind teilweise sehr gefährlich. Letztlich spielen bei der Bewertung der Vulkane sehr viele Faktoren eine Rolle (Art der Magma, Art des Vulkans, Art des Ausbruchs…). Doch ist es speziell die Unberechenbarkeit, welche die Menschen oft das Fürchten lehrt. Große Explosionen an Super- und Schichtvulkanen kündigen sich beispielsweise oft kaum oder auch überhaupt nicht an. Dies stellt den Katastrophenschutz auch heute noch vor enorme Probleme. Hier sei nur kurz erwähnt, dass ein gutes Beispiel hierfür nicht allzu weit weg ist: Der Vesuv. Dass dieser Vulkan extrem gefährlich ist, hat er bereits mehrfach unter Beweis gestellt (zuletzt bei der Vernichtung von Herculaneum und Pompeij). Heute leben im gefährdeten Bereich mehrere Millionen Menschen und man weiß, dass es irgendwann soweit seit wird und der Vulkan erneut (heftig) ausbrechen wird.

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Wie massiv solche Ausbrüche sein können, kann man sich nur sehr schwer vorstellen. Je nach Heftigkeit – als Maß dient der Vulkanexplosivitätsindex VEI, welcher von 0 bis 8 reicht – können dabei einige hundert Kubikkilometer (!) Pyroklastika ausgeworfen werden. Das sind etliche Milliarden Tonnen. Die erzeugten Aschesäulen sind teilweise über 25 km hoch, was mehr als doppelt so hoch ist wie eine ausgewachsene Gewitterwolke. Beim Kollabieren erzeugen sie apokalyptische pyroklastische Ströme, welche bis zu mehreren hundert km/h schnell und bis zu 1000 °C heiß sein können. Durch die enormen Mengen an ausgestoßener Asche wird nicht selten auch das Weltklima beeinflusst. Die Aschepartikel sowie die aus dem Schwefeldioxid (SO2) gebildeten Schwefelsäurepartikel absorbieren und streuen das Sonnenlicht in der Atmosphäre; die Temperatur am Boden sinkt. Dadurch können sog. vulkanische Winter entstehen, die schon öfters für erhebliche Probleme gesorgt haben. So starb nicht nur der Homo-Sapiens quasi durch einen vulkanischen Winter aus (Dezimierung der Menschheit damals auf ca. 70.000 Exemplare), auch hier im Stuttgarter Großraum konnte man bereits die Folgen spüren. Als vom 10. – 15. April des Jahres 1815 der Tambora in Indonesien ausbrach, tat er das mit einer solchen Gewalt, dass dieser Ausbruch einen Wert von 7 auf dem VEI erreichte. Im folgenden Jahr 1816 lag die Durchschnittstemperatur auch in Süddeutschland so tief, dass man vom „Jahr ohne Sommer“ sprach. Es kam zu massiven Ernteausfällen/Missernten und damit einhergehenden Hungersnöten. Der damalige König des Königreichs Württemberg, Wilhelm der I., stiftete daraufhin zusammen mit seiner Frau eine Festivität mit dem Namen „landwirtschaftliches Fest zu Cannstatt“; Heute auch bekannt als „Cannstatter Wasen“. Zudem findet die Universität Hohenheim ihre Ursprünge in der ebenfalls damals von Wilhelm dem I. gestifteten „landwirtschaftlichen Unterrichtsanstalt“.

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Wenn man Vulkane live erleben will, dann gibt es einige Möglichkeiten dieses Vorhaben in Angriff zu nehmen. In Europa und im „nahen Umland“ ist die Auswahl dabei nicht sonderlich groß. Neben Island ist Italien dabei das Land, in dem man am ehesten auf seine Kosten kommt. Neben dem häufig aktiven Stromboli und dem (derzeit) inaktiven Vesuv bei Neapel ist dabei speziell der Etna interessant. Leider ist es so, dass sich vulkanische Aktivität i.d.R. nur extrem schwer vorhersagen lässt. Es kann durchaus sein, dass Vulkane einige Monate/Jahre bis hin zu vielen Jahrtausenden inaktiv sind, bevor sie dann wieder zum Leben erweckt werden. Daher spielt auch bei der Planung solcher Touren das Risiko immer eine große Rolle. Es gibt zwar einige Daten, mit deren Hilfe man eine Vorhersage wagen kann, diese sind aber deutlich ungenauer und unsicherer wie beispielsweise die dreitägige Wettervorhersage.

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Der Etna war für uns in so fern interessant, als dass er – bezogen auf vulkanische Zeiteinheiten – fast permanent aktiv ist. Zwar hat auch er Phasen von einigen/vielen Jahren, in denen quasi überhaupt nichts passiert, allerdings ist er im Vergleich zu den anderen in Frage kommenden Kandidaten (Vesuv, Island, Kanaren) immer noch die beste Wahl. Seine Aktivität schwankt dabei von sehr leicht (Ausgasungen…) bis hin zu ziemlich furios (z.B. die großen Ausbrüche 2001/2002). Nach den Ausbrüchen ’01/’02 war ich berits am und auf dem Etna. Obwohl der Berg zu dieser Zeit kaum Aktivität aufwies, so beindruckte mich das Ausmaß dieser gewaltigen Ausbrüche sehr. Die kilometerlangen und viele Meter hohen Lavaströme, die teilweise immer noch so heiß waren, dass die Schuhe beim Begehen schmolzen; die mehrere Meter starken Lavabomben, welche wie aus riesigen Geschützen abgefeuert in den Boden und in die Gebäude einschlugen; die enorme Hitze, welche das Glas von Fensterscheiben zum Erweichen brachte… es war faszinierend.

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Im Jahr 2013 zeigte der Etna gegen Ende wieder einiges an Aktivität, inkl. eines etwas größeren Ausbruchs. Wir beobachteten die Lage seit Ende November sehr genau und verfolgten das Geschehen oft mehr oder weniger live. Diese Expedition wurde recht gründlich geplant und wir warteten seit Dezember auf den richtigen Moment um kurzfristig nach Sizilien zu fliegen. Immer wieder passten die Randbedingungen nicht (Flug, Wetter, Aktivität, Zeitfenster…). Am 07. Februar 2014 war es dann aber endlich soweit. Nachdem der „volcanic tremor“ in der Nacht vom 06. auf den 07.02. angestiegen war, wurden die anderen Faktoren gecheckt. Beim sog. Tremor handelt es sich um die seismische Aktivität des Vulkans, welche quasi in Echtzeit abgerufen werden kann.
Am Nachmittag des 07.02. stand fest, dass auch die anderen Eckdaten passen würden: Günstiger Direktflug nach Catania mit passendem Rückflug, annehmbare Wetterbedingungen vor Ort sowie das anstehende Wochenende und daher die nötige Zeit.
Die Entscheidung für das „Go!“ fiel ganze 11 Stunden vor Abflug. Für eine solche Reise ist das wirklich sehr kurzfristig. Da wir die Sache im Kopf aber bereits einige Male durchgespielt hatten, verlief die Anreise gut und ohne nennenswerte Probleme, dafür bereits mit einen Schlafdefizit (welches während des Aufenthaltes noch deutlich größer wurde). Ich habe die Form des Berichtes der Übersicht halber als chronologische Aufzählung gewählt; Here we go:

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Tag 1; Samstag 08.02.14

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04:20 Uhr: Nachdem ich bis 2 Uhr gepackt und vorbereitet habe, klingelt der Wecker nach gerade einmal zwei Stunden unruhigem „Schlaf“. Die Vorfreude vertreibt die Müdigkeit aber schnell.

07:20 Uhr: Der A319 mit erstaunlich viel Beinfreiheit hebt pünktlich in Stuttgart ab. Der Flug verläuft ruhig und gut.

09:40 Uhr: Landung in Catania. Das Wetter hat postfrontalen Charakter; überall stehen große Pfützen/Lachen durch den starken Regen der vergangenen Nacht. Es ist jedoch recht mild und frühlingshaft. Der Klimawechsel tut gut; man riecht das nahe Meer.

10:30 Uhr: Mietwagen geholt und auf der Autobahn in Richtung Giarre unterwegs. Aufgrund der tiefhängenden Wolken ist vom Etna leider noch nichts zu sehen. Wir sind aber guter Dinge und freuen uns auf eine spannende Zeit.

11:15 Uhr: Ankunft an der am Vorabend kurzfristig gebuchten Unterkunft (Bed&Breakfast). Das Teil sieht von außen ziemlich marode und nicht gerade toll aus. Da niemand da ist kommen Zweifel auf, ob das überhaupt geklappt hat mit der Buchung. Der Blick aufs Meer ist schön und das Haus steht inmitten von Öl-, Orangen-, Mandel- und Zitronenbäumen. Die Orangen sind derzeit reif und werden direkt einer Verkostung unterzogen. Geschmacklich einfach der Wahnsinn und kein Vergleich mit Supermarktware in D! Wir nehmen es mit Humor, während wir auf die Ankunft der Verantwortlichen warten. Überall liegt Vulkanasche/Lapili herum – vermutlich vom größeren Ausbruch Ende letzten Jahres.

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12:30 Uhr: Wir haben Zugriff auf unser Zimmer bekommen. „Außen Pfui, innen hui!“ lautet hier das Sprichwort. Das Haus ist von der anderen Seite her und auch von innen wirklich ziemlich schnuckelig und fast schon romantisch. Der Ausblick ist wie erwartet ideal (Etna/Meer/Taormina). Allerdings haben wir kein Warmwasser (Wassertemp. gefühlt 5 °C). Wir verstauen kurz unser Zeug und packen um. Via Internet ist klar: von Westen her ist der Etna recht frei und gut sichtbar. Nur das Lee, in dem auch wir uns nördlich von Giarre befinden, ist wolkenverhangen. Wir wollen daher keine Zeit verlieren.

13:30 Uhr: Auf gehts in Richtung Etna. Die Straßen und Straßenverhältnisse in und um die kleinen Dörfchen an den ausgedehnten Hängen des Etna sind wie erwartet „italienisch“ und teilweise wirklich sehr übel. Zwischenstop in Zafferana Etnea um etwas zu essen (Pasta/Bruschetta) und Vorräte einzukaufen.

17:15 Uhr: Ankunft am Refugio Sapienza auf 1986 m Höhe. Die tiefen Wolken ziehen langsam ab. Die Sonne ist gerade am untergehen und taucht den nahen Gipfelbereich in schönes Licht. Der Wind ist allerdings ziemlich stark und kalt (geschätzt 0 °C). Zudem ist die Aktivität des Südostkraters erkennbar. Er stößt dunkle Rauchwolken aus; ein ganz gutes Zeichen. Der Internet-Check ergibt, dass der Tremor nach wie vor recht hoch ist. Alles gut also. Jetzt muss nur noch die Bewölkung am Berg weichen, welche sich bisher vor allem im Lee und damit im interessanten Bereich hartnäckig hält. Der Berg zeigt sofort auf, dass er ein ganz eigenes Mikroklima besitzt.

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18:15 Uhr: Da wir den SO-Krater vom Refugio nicht sehen, fahren wir wieder etwas berg ab. Auf der Fahrt den Berg hinunter erkennen wir dann plötzlich rotes Leuchten im nun sichtbaren Kraterbereich. Wir halten an, suchen eine geeignete Stelle und dürfen aus einiger Entfernung der wunderschönen strombolianischen Aktivität zusehen. Es ist zwar ziemlich kalt (< 0 °C), die ersten Bilder werden alle unscharf (Grund nicht ganz klar) und mein gutes/solides Stativ geht nach gerade einmal 5 Bildern kaputt, doch ich bin vom Anblick trotzdem absolut begeistert. Das Reservestativ muss herhalten, was das Fotografieren zu einer wackeligen Angelegenheit macht (speziell bei 300 mm Brennweite!). Die Feuchtigkeit kondensiert zunehmend überall. Rücksäcke, Camera und Objektive sind klatschnass.

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20:45 Uhr: Wir sind mit der Bildausbeute ganz zufrieden und verlagern uns erst einmal ins trockene und etwas wärmere Auto. Die Aktivität am Südostkrater scheint nicht enden zu wollen. Wir fahren daher weiter Richtung NO und suchen einen neuen Platz zum Fotografieren. Das erweist sich jedoch als recht schwierig; die Straßenverhältnisse bei Nacht sich wirklich ein Alptraum.

22:20 Uhr: Endlich haben wir ein Plätzchen gefunden. Quasi direkt von der Straße fotografieren wir die Eruptionen und den Lavafluss ins Valle del Bove. Der Mond, der rot angeleuchtete Dunst/Rauch und der starke Wind in Gipfelhöhe setzen den Berg zusammen mit dem Schnee in eine unglaublich schöne Stimmung! Wir sind erneut begeistert und fotografieren bis kurz vor Mitternacht weiter.

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Tag 2; Sonntag 09.02.14

00:30 Uhr: Wir sind zurück in der Unterkunft. Auch von unserer Dachterrasse haben wir einen Blick auf den Etna und das Valle del Bove. Aufgrund der Windrichtung treibt es den Rauch und die Asche dabei direkt in unsere Richtung. Wir fotografieren noch etwas weiter, checken dann die Lage im Internet und besprechen grob den Ablauf des kommenden Tages. Dadurch wird es ziemlich spät. Wir sind optimistisch.

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06:20 Uhr: Der Wecker klingelt uns rechtzeitig vor Sonnenaufgang aus dem Bett. Wir hoffen, dass das Licht vor dem Sonnenaufgang den Vulkan gekonnt in Szene setzt. Das Wetter ist gut und die Sicht nur durch den Rauch/die Asche etwas behindert.

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08:30 Uhr: Es gibt Frühstück. Alles lecker, jedoch ist es im Speiseraum mit ca. 12 °C doch ziemlich kalt…

09:30 Uhr: Wir sitzen auf der Dachterrasse mit Blick auf den Vulkan. Neben der Staubewölkung, die dem Berg fast eine Art Hut aufsetzt, ist die Aktivität am SO- und NO-Krater nach wie vor zu erkennen. Dichter Rauch wird vom Wind direkt in unsere Richtung verfrachtet. Außerdem ist eine Rauch-/Aschefahne in größerer Höhe erkennbar. Vorerst wissen wir nicht genau, wohin wir fahren wollen. Daher bleiben wir in der angenehm warmen Sonne sitzen und genießen einfach.

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14:00 Uhr: Auch vom Hunger getrieben brechen wir auf. Über Sant’Alfio geht es grob Richtung Linguaglossa. Auf dem Weg entdecken wir sehr abgelegen eine gute Speisegelegenheit. Dieses Refugio liegt bereits im Nationalpark und recht nahe am Vulkan. Das Essen ist wirklich genial, ursprünglich und üppig. Wir sind glücklich.

16:45 Uhr: Wir machen ein paar Bilder vom Gipfel im Gegenlicht und fahren weiter mit Ziel Refugio Citelli auf 1741 m Höhe. Auf der Fahrt kommen wir durch Landschaften, die total unwirklich wirken. Überall liegt Asche/Pyroklast, auch auf den Straßen. Die Vegetation wird immer spärlicher. Am Refugio weht eine steife und kalte Brise und urplötzlich kommen dichte Wolken auf und wir stehen quasi im Nebel. Die Sicht auf den SO-Krater war allerdings noch kurzzeitig gegeben. Aufgrund der Nähe zum Gipfel merken wir uns dieses Plätzchen daher vor.

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17:00 Uhr: Wir fahren weiter. Ziel nun: Monte Conca auf gut 1800 m Höhe. Es handelt sich dabei um ein Areal mit diversen skitouristischen Möglichkeiten. Aufgrund von fehlender Sicht zum Gipfelbereich ist dieser Ort für uns jedoch völlig ungeeignet. Es geht daher wieder berg ab, vorerst ohne Ziel.

18:15 Uhr: Auf dem Rückweg beginnt die Gipfelregion nun wieder schön und hell zu leuchten. Zusammen mit dem Restlicht des Tages ergibt sich ein genialer Anblick, den wir von einem großen, pechschwarzen Lavafeld aus auch fotografisch festhalten.

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18:45 Uhr: Es ist erkennbar, dass nun auch wieder strombolianische Aktivität am SO-Krater vorhanden ist. Wir beschließen schnell zum Refugio Citelli hoch zu fahren. Dort angekommen versuchen wir die Lavafontänen auf Bild zu bannen. Dies gelingt aufgrund des Rauches vom NO-Krater, welcher quasi die Sicht verdeckt, nur bedingt.

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19:30 Uhr: Um dem Rauch auszuweichen fahren wir los und versuchen unseren Standpunkt weiter nach Westen zu verlagern. Wir passieren Milo, von wo man einen schönen Blick auf die Lavaströme im Valle del Bove hat. Wir wissen nicht genau, wohin es gehen soll. Eine Position reizt uns jedoch sehr: Der Monte Zoccolaro. Dabei handelt es sich um eine Bergspitze am Westgrat zum Valle del Bove. Auf 1739 m hat man von dort eine ideale Sicht auf das Valle, die Lavaströme sowie den Südostkrater. Auch die Windrichtung würde passen. Es gibt jedoch ein Problem: Mit dem Auto ist dieser Punkt nicht erreichbar. Dieses muss man ca. 2-300 Höhenmeter tiefer zurücklassen. Dann ist Fußmarsch entlang des Grats angesagt. Wir kennen diese Strecke nicht und es ist bereits dunkel. Dennoch fahren wir den Parkplatz an.

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21:00 Uhr: Nach kurzem Überlegen packen wir unser ganzes Zeug zusammen und rüsten uns gut aus. Ich bin durch eine Erkältung leicht angeschlagen und ziehe daher 3 Hosen/2 Jacken an. Der Aufstieg ist steil und nicht beschildert. Im Licht unserer Stirnlampen tasten wir uns langsam voran, ohne dabei zu wissen wie weit es noch ist.

22:00 Uhr: Wir denken unser vorzeitiges Ziel erreicht zu haben. Eine Art Plattform am Grat. Die Lavaströme im Valle del Bove leuchten sehr hell. Die Sicht zum Gipfel ist allerdings durch Bäume versperrt. Nur durch eine nicht ganz ungefährliche Annäherung zum Abgrund (~ 2-300 m) können wir brauchbare Bilder machen. Dabei stehen wir allerdings auf einem bereits halb abgerutschten Lavabrocken. In Anbetracht der erhöhten seismischen Aktivität im Gebiet ist uns nicht wohl und wir beschließen die Position nach wenigen Bildern zu verlassen. In diesem Moment steht plötzlich ein Fuchs direkt vor uns. Dieser scheint keine Angst zu haben; ein schlechtes Zeichen. Er hat es auf unsere Fotorucksäcke abgesehen, in denen wir auch eine Kleinigkeit zu Essen verstaut haben. Tollwut wäre wohl schlimmer gewesen. Das Tier ist unerschrocken und frech. Es macht sich auch direkt an unseren Rucksäcken zu schaffen. Wir haben ein ungutes Gefühl. Nur ca. 50 cm vor unseren Füßen geht es einige hundert Meter fast senkrecht bergab, nur unsere Stirnlampen erhellen die Dunkelheit und nun müssen wir mit einem Fuchs kämpfen. Weder mein großes LED-Panel, lautes Klatschen/Geschrei noch sanfte Hiebe mit einem Stock veranlassen das Tier zur Flucht. Wir verlassen den Abgrund, den Fuchs im Schlepptau.

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22:10 Uhr: Wir haben uns vom Grat entfernt, der Fuchs lässt uns jedoch nach wie vor keine Ruhe. Alle bisherigen Maßnahmen scheiterten. Eine Gruppe absteigender Italiener übernimmt das Problem dann schließlich für uns. Der Fuchs folgt ihnen bergab, während wir weiter aufsteigen. Nur wenige Meter weiter erreichen wir einen Punkt mit idealer Sicht sowohl ins Valle del Bove, als auch auf den Gipfelbereich mit dem SO-Krater. Zudem kann man von hier völlig gefahrlos fotografieren. Wir sind erleichtert und erschöpft.

22:30 Uhr: Wir genießen den Anblick und machen weitere Bilder. Leider war über die gesamte Zeit keine strombolianische Aktivität am SO-Krater vorhanden. Der Ausstoß wird nun aber zunehmend explosiver. Immer wieder steigen große, rötlich-braune und pilzförmige Wolken aus dem Krater auf. Ein gutes Zeichen.

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Tag 3; Montag 10.02.14

00:45 Uhr: Weil es am Krater immer noch ruhig ist und wir alle anderen Szenerien bereits im Kasten haben beschließen wir demnächst wieder in Richtung Auto abzusteigen. Als wir gerade loslaufen wollen ist eine schöne Explosion am SO-Krater zu sehen und kurz darauf durch einen dumpfen Knall auch zu hören. Wir warten kurz ab und sehen, dass sich die Aktivität verstärkt. Es wird daher alles wieder aufgebaut. Schnell ist klar, dass diese Ausbrüche verhältnismäßig stark sind. Wir sind einmal mehr begeistert.

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02:00 Uhr: Wir stehen noch immer gebannt auf dem Grat und schauen zum Südostkrater hinüber. Es ist sternenklar. Handelte es sich anfangs um eher diskrete Explosionen, welche auch in Form eines Donners wahrnehmbar waren, so ging der Ausbruch nun teilweise in typische Lavafontänen und akustisch in ein tiefes Fauchen über. Anhand der Flugdauer einzelner Lavabomben, welche teilweise ein paar Meter im Durchmesser gehabt haben dürften, schätzen wir die Flughöhe auf ca. 250 m über dem Kraterrand. Das ist ziemlich gewaltig!

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02:40 Uhr: Der Wind kommt immer wieder in Böen, welche für einige Minuten anhalten und dann wieder schlagartig aufhören. Die Windrichtung wechselt dabei um 180 ° innerhalb von wenigen Sekunden. Zudem haben wir erneut Besuch von einem Fuchs bekommen, der sich nur durch massive Anstrengung vertreiben ließ. Uns ist kalt. Obwohl die Show am Krater weiter geht beschließen wir abzusteigen. Wir sind mit dem Bild und Videomaterial auch sehr zufrieden.

04:15 Uhr: Wir kommen an der Unterkunft an. Auch von unserem Dachbalkon ist die Aktivität erkennbar. Der Wind treibt zudem erneut die Asche direkt in unsere Richtung. An den Stirnlampen sieht man die Partikel vorbeifliegen. Nach ein paar Fotos geht es dann aber ins Bett.

06:30 Uhr: Der Sonnenaufgang verspricht wieder tolles Licht. Ich fühle mich total erschöpft und bin mental nicht mehr ganz zurechnungsfähig.

08:30 Uhr: Es gibt Frühstück. Eine gute Stärkung, wenngleich erneut alles so kalt ist. Danach gehen wir aufs Dach und setzen uns in die wärmende Sonne. Wir genießen noch etwas den Anblick und stellen fest, dass sich die schneebedeckten südlichen Flanken von weiss nach schwarz verfärbt haben. Dies ist dem recht großen Ausbruch der vergangenen Nacht sowie der Windrichtung und damit der Verfrachtung des ausgestoßenen Materials geschuldet.

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10:00 Uhr: Wir packen unser Zeug zusammen, verabschieden uns und fahren nach Catania zum Flughafen. Mietwagenrückgabe, Checkin etc. laufen problemlos. Um 13:40 Uhr hebt der A320 pünktlich in Richtung Stuttgart ab. Wir waren damit exakt 51 Stunden auf sizilianischem Boden. Im Steigflug können wir noch einmal zum Berg hinüber sehen, der sich an diesem Tag mit einer gigantischen, mehrstöckigen Pileus-Wolke schmückt. Der Anblick ist grandios. Ansonsten verläuft der Rückflug über schlechterem Wetter weiter nördlich. Es herrscht Südföhn und so kommen wir im Sinkflug an der deutsch-schweizer Grenze in kurze aber stärkere Turbulenzen.

18:30 Uhr: Völlig erschöpft bin ich zurück in Tübingen. Obwohl der Trip nur sehr kurz war, so kam mir die Zeit doch sehr lange vor. Das mag daran liegen, dass wir quasi nicht geschlafen haben (< 10 h in 3 Nächten) und fast ständig unter Strom standen.

Am nächsten Tag erfahren wir, dass sich am Dienstagmorgen (11.02.14) gegen 6 Uhr ein pyroklastischer Strom seinen Weg durch das Valle del Bove bahnte. Von den Ausmaßen her war dies ebenfalls ein größeres Ereignis. Mir persönlich ruft das auch wieder die Gefahr in Erinnerung. Hatten wir doch am Sonntag mit dem Gedanken gespielt, ins Valle del Bove zu wandern um dort die Lavaströme aus der Nähe zu beobachten. Wir haben dies aber bereits wegen der Gefahr von fallenden Brocken aus dem steilen Stück zwischen Valle del Bove und dem SO-Krater verworfen. Beeindruckende Bilder (auch von der Wärmebildkamera) vom Abgang des pyroklastischen Stroms gibt es HIER.

Hier ist noch der Verlauf des „volcanic tremors“ während der Tage zu sehen. Auffällig sind neben dem erhöhten Grundlevel speziell die vielen Einbrüche/Anstiege. Obwohl derartige Daten extrem schwer zu interpretieren sind, so scheint es doch einige Zusammenhänge zu geben, welche man erkennen kann. Wir haben beispielweise eine Regelmäßigkeit beobachtet, was die strombolianische Aktivität und das Verhalten des Tremors angeht.

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© und Quelle: http://www.ct.ingv.it

Dass der Etna auch deutlich heftiger ausbrechen kann, ist bekannt. Von November 2013 stammt beispielsweise dieses Video, auf welchem die Gefahr sehr deutlich wird:

Zwei weitere Videos zeigen die massive Wucht der Eruptionen:

An dieser Stelle noch der Hinweise auf eine schöne Dokumentation zum Thema Vulkane aus der TerraX-Reihe (ZDF) bei YouTube:

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