Wetterblog – Glatteisregen im Norden

In der Nacht und am morgigen Dienstag kommt es im Nordosten von Deutschland zu einer präkeren Situation. Aufgrund der Großwetterlage wird sich hier verbreitet viel Glatteisregen bilden. Die Konstellation ist so günstig, dass mit enormen Behinderungen gerechnet werden muss.

Wie kommt es dazu? Die Konstellation umfasst zwei Spieler: Tief Helga und Hoch Benjamin 🙂 Die beiden sind auf folgender Frontenanalyse zu sehen (Stand: Montag 14 UTC):

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Quelle/Copyright: Deutscher Wetterdienst: DWD / bzw. Wetterzentrale: Wetterzentrale

Während Tief Helga mit seiner zyklonalen Rotation (gegen den Uhrzeigersinn) feucht-warme Luftmassen aus dem Südwesten heranschaufelt, lenkt Hoch Benjamin mit einer antizyklonalen Rotation (mit dem Uhrzeigersinn) „sibirische“ Kaltluft nach Deutschland. Wo diese Luftmassen nun aufeinander treffen, wird es spannend. Die Kaltluft aus dem Nordosten ist schwerer (dichter) als die Warmluft aus dem Südwesten. Daher liegt sie unter der Warmluft. Besonders schön sieht man dies auf dem Sondenaufstieg von Lindenberg. Man beachte die rechte Kurve, welche der von der Sonde beim Aufstieg aufgezeichneten Temperatur entspricht:

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Quelle: University of Wyoming: weather.uwyo.edu

Hier kann man schön sehen, dass in den unteren Luftschichten Temperaturen um 0 °C vorherrschen. Weiter oben, ab ca. 1100 m folgt die Warmluft mit knapp 10 °C. Jetzt ist es so, dass sich unter diesen Bedingungen auch Niederschlag bildet. Dieser fällt dann auf seinem Weg zum Boden auch zwangsweise durch die sehr kalte Luft in den unteren Luftschichten. Da sich der Temperaturgradient noch verschärfen wird sorgt dies dann dafür, dass der Niederschlag, welcher anfangs durch die warme Luft aus Regen besteht, am Boden entweder als stark unterkühltes Wasser (Temp. kleiner 0 °C) oder als Eiskörnchen ankommen wird. Handelt es sich um unterkühltes Wasser, so friert dieses beim Auftreffen auf den ebenfalls kalten Boden sofort (häufig fehlt dem metastabilen Wasser nur noch ein kleiner Impuls). Es bilden sich dann geschlossene und je nach Niederschlagsmenge/-art/-temperatur auch dickere Eispanzer. Dies kann dann für gravierende Probleme sorgen (Straßenverkehr, Hochspannungsleitungen, Eisbruch…).

Wie genau sich die Lage entwickelt bleibt abzuwarten. Potentiell ist aber Vorsicht geboten. Wer schauen will, wo es kritisch wird, der schaue einfach auf der Unwetterzentrale vorbei.

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