Gewittersaison ’13, ein Rückblick

Es ist nun Herbst und mit ausgeprägten Gewitterlagen ist daher dieses Jahr nicht mehr zu rechnen. Bevor das hoffentlich goldene Oktoberwetter startet, will ich die vergangenen Monate gewittertechnisch noch einmal revue passieren lassen.

Diese Saison war für mich persönlich vor allem durch zwei Dinge gekennzeichnet:

  • Viele gefahrene Kilometer. Ich habe nicht mitgezählt, aber eine grobe Schätzung liegt bei deutlich über 10.000 km von April bis Spetember. Die Hotspots lagen dabei in den ersten Monaten in Bayern, später dann im mittleren Baden-Württemberg. Insgesamt bewegten wir uns dabei in einem recht großen Gebiet, welches vom Saarland und Ostfrankreich (Lothringen) über das Grenzgebiet zwischen Deutschland und der Schweiz, quasi über ganz Baden-Württemberg und Bayern bis an die Tschechische Grenze reicht. Einige Touren waren knapp 1000 km lang und dauerten teilweise über 16 Stunden. Dabei gab es wie üblich Touren, die sich wirklich gelohnt haben und andere, bei denen wir trotz vieler zurückgelegter Kilometer nicht ein einziges brauchbares Foto gemacht haben. Des Umfangs wegen gehe ich hier aber nur auf die erfolgreichen Ausfahrten ein.
  • Zum anderen gab es einige, teilweise sehr starke Hagelgewitter. Hier traf es meist die altbekannten und durch Hagel stark gefährdeten Regionen entlang der schwäbischen Alb, die Region zwischen Schwarzwald und Neckar sowie das bayrische Alpenvorland. Zwar lässt sich eine eindeutige Verifizierung im Grunde nie zu 100 % vornehmen, dennoch konnten wir erstaunlich viele Superzellengewitter bzw. Gewitter mit kurzlebigen Mesozyklonen dokumentieren.

Der April ist der Monat, in dem man allgemein mit ersten, kräftigeren Gewittern rechnen kann. Gleichzeitig sind Gewitterfans vom langen und dunklen Winter zu Saisonstart regelrecht ausgehungert. Erfahrungsgemäß sorgt das bei den ersten Gewitterlagen für überschwängliche Euphorie, durch welche man auch weite Anfahrten bei eher suboptimalen Bedingungen in Kauf nimmt. Petrus zeigte sich dabei im April und Mai nur äußerst knauserig, was Gewitter anging. Die wenigen Gewitterlagen, welche es in diesen beiden Monaten gab, waren zudem fast alle in Bayern lokalisiert. Auch wir ließen uns von der langen Anfahrt nach Oberbayern nicht abhalten und bekamen am 27.04. die ersten kräftigen und durchaus fotogenen Gewitter zu Gesicht. Dabei handelte es sich direkt um einige kräftige Superzellengewitter die auch für den ersten Hagelschlag der Saison ’13 sorgten:

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Ungefähr zwei Wochen später am 09.05. zog es uns aufgrund von absolutem Gewittermangel in Baden-Württemberg ernuet nach Oberbayern. Auch an diesem Tag gab es eine einzelne, dafür aber recht schöne und langlebige Gewitterzelle am bayrischen Alpenrand zu bestaunen:

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Danach war erst einmal nicht mehr viel los in Sachen Konvektion. Das ist eher ungewöhnlich. Häufig sind der Mai und der Juni die gewitterreichsten Monate im ganzen Jahr. Statt dessen startete der Juni extrem Nass. Dies führte zu einer historischen Hochwassersituation in vielen Teilen Deutschlands. Auch in Baden-Württemberg wurden dabei viele historische Höchstmarken geknackt:

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Auch danach wollte es in BaWü nicht so richtig klappen mit Gewittern. Das war streckenweise schon recht frustrierend. Aus reiner Not ging es daher am 09.06. erneut ab in den Freistaat Bayern, wo wir immerhin einige recht kräftige Gewitter dokumentieren konnten. An diesem Tag verzettelten wir uns aber leider leicht und erlebten die Gewitterzelle des Tages bei Augsburg nur noch im Endstadium:

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Erst Mitte Juni ging es dann auch im „Ländle“ langsam los. Bis dahin gab es beispielweisee noch kein gutes Nachtgewitter zu fotografieren. In der Nacht von 17. auf 18.06. zündete Petrus dann aber am Schwarzwald ein wahres Blitzfeuerwerk, bei dem ich einige wunderschöne Blitzentladungen auf Bild bannen konnte:

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Auch am Folgetag, dem 18.06. waren im Süden von Baden-Württemberg, am Bodensee sowie in der Nordschweiz einige heftige Gewitterzellen unterwegs. Dabei stellte sich die Region zwischen Singen und Basel einmal mehr als eher undankbares „Jagdrevier“ heraus:

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Als ob das Wetter die eher ereignislosen Monate April und Mai nachholen wollte, ging es auch sehr spannend weiter. Es kündigte sich die erste Schwergewitterlage für den Südwesten an. Tags zuvor, am 19.06. war die Situation im Osten von Frankreich bereits sehr brisant. Wir wagten daher einen Ausflug ins Ausland und machten eine Gewitterjagd im „old-school-style“, quasi ohne Radar und sonstige Internetunterstützung. Dabei konnten wir am Abend eine sehr eindrucksvolle Superzelle südöstlich von Nancy dokumentieren. Gleichzeitig war dieses Gewitter einer der Highlights im Jahr 2013. Die Tour gehörte aufgrund eines „Umweges“ über das Saarland außerdem zu den längsten (knapp 1000 km, über 16 h) in diesem Jahr:

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Am Tag darauf, dem 20.06. waren dann – wie bereits gesagt – heftige Gewitter im Süden und Südwesten von Deutschland zu erwarten. Tatsächlich gibt es von diesem Tag auch Meldungen von großem bis sehr großem Hagel (bis 8 cm), welcher speziell auf der südlichen Alb sowie in Oberbayern fiel. Wir selbst konnten an diesem Tag die Entwicklung eines linearen Zellkomplexes von der Geburt an beobachten. Dieser bot im fortgeschrittenen Stadium bei Herrenberg dann einen beeindruckenden Aufzug inkl. schöner shelf-cloud:

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Danach machte das Wetter verdientermaßen erst einmal Pause und es folgten viele sonnenreiche und sehr heiße Tage. Die Hitzeperiode wurde dann Ende Juli unsanft beendet. Bereits am 26.07. sorgte ein heftiges Hagelunwetter entlang des Schwarzwalds bis nach Pforzheim für größere Schäden. In den Kern dieser Zelle schafften wir es dabei nicht. Die Folgen der Hagelzelle dokumentierten wir aber ausführlich:

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Nur zwei Tage später stand dann eine ausgeprägte Unwetterlage für den Südwesten ins Haus. Bereits in der Nacht vom 27.07. auf den 28.07. zeigte sich das Potential in Form von schönen Nachtgewittern im Bereich Schwarzwald/Neckar:

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Was dann am 28.07. geschah, war in diesen Dimensionen nicht wirklich absehbar. An diesem Tag sollte es das bis dato schwerste Hagelunwetter in der neueren deutschen Geschichte geben (Schaden über 1.5 Mrd. €). Dieses Ereignis wird wohl allen Betroffenen und auch uns noch lange in Erinnerung bleiben. Eine ausgewachsene Superzelle sorgte auf einem sehr breiten und langen Korridor entlang der Alb mit Hagel bis 8 cm und starkem Wind für extreme Verwüstungen. Wir gerieten dabei bei Aichelberg an der A8 direkt in den Kern dieser monströsen Superzelle:

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Nur wenige Tage später sollte es dann erneut den Süden treffen. Die am 28.07. ausgesparten Gebiete zwischen Bodensee und schwäbischer Alb wurden am 04.08. von einem Unwetter getroffen, das speziell durch sehr starken Wind örtlich für erhebliche Schäden sorgte. Wir konnten bei Biberach einen Blick auf das linienförmige Gewitter werfen:

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Bei der Analyse der Wetterlage für den 06.08. traute ich anfangs meinen Augen nicht: Erneut sah es für die Gebiete an und auf der schwäbischen Alb nicht gut aus. Es war wieder mit Superzellen zu rechnen, welche eine ganz ähnliche Zugbahn aufweisen würden, wie bereits die Zelle am 28. Juli. Der Gewittertag begann erneut in den Nachtstunden, als sich eine isolierte und kräftige Gewitterzelle im Schwarzwald-Lee bildete. Von einiger Entfernung konnten wir dieses fotogene Ungetüm schön beobachten:

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Am 06.08. bildeten sich dann gleich mehrere starke und gefährliche Superzellen, welche erneut den Albtrauf entlang zogen. Glücklicherweise war der Hagelkorridor dieses mal deutlich schmaler. Dafür wurden einige Ortschaften auf der Alb von rekordverdächtigen Hagelsteinen bis 14 cm Durchmesser getroffen. An unserer Position fielen glücklicherweise „nur“ Hagelbrocken mit etwas über 7 cm Durchmesser:

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Doch damit war der Tag noch nicht vorbei. Gegen Abend rollte eine bogenförmige Gewitterfront (Bow-Echo) aus der Schweiz heraus auf Oberschwaben zu. Auch diese konnten wir dokumentieren. Die herannahende shelf-cloud im Abendlicht sorgte dabei für eine geradezu gespenstische Stimmung:

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Nach dieser Gewitterserie mutete das Wetter fast schon frühherbstlich an. Am 12.08. bildete sich dann aber noch eine kurzlebige und dennoch recht fotogene Gewitterzelle zwischen Schwarzwald und schwäbischer Alb:

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Eine Woche später am 19.08. gab es dann bei einem Kaltfrontdurchgang eine recht fotogene Entwicklung über Tübingen. Dieses mal waren wir zwar nicht unterwegs, die Linie sah aber bereits in Tübingen sehr fotogen aus. Wenn wir allerdings geahnt hätten, was sich aus dieser noch entwickeln sollte, wären wir vermutlich sofort ins Auto gesprungen. Bei Aalen kam es eben aus dieser Zelle zu einem schweren Downburst mit dem weiterhin auch ein Tornadoverdachtsfall verknüpft ist. Es gab dabei leider auch zahlreiche (Schwer-)Verletzte:

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Das Ende der Saison war nun schon absehbar. Dennoch kam es Anfang September vom 06.09. auf den 07.09. am Schwarzwald noch einmal zu einer sehr gewittrigen und blitzreichen Nacht, welche für uns bis 5 Uhr am Morgen dauerte:

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Direkt am Folgetag, dem 07.09. sollte die Saison dann auch ihr Ende finden. Dieses war jedoch noch einmal richtig spektakulär. An diesem Tag entwickelten sich nämlich erneut einige kräftige und teilweise auch rotierende Gewitterzellen. Eine dieser Superzellen begleiteten wir dabei vom Anfangsstadium bis zu ihrem Ende einige Stunden später. Sie entwickelte sich in dieser Zeit im Bereich zwischen Schwarzwald und Alb zu einer sehr fotogenen und absolut beeindruckenden Zelle:

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Tatsächlich sollte dies jedoch nicht das letzte Gewitter sein, welches ich im Jahr 2013 zu sehen bekommen sollte. Die Gewittertätigkeit verlagert sich im Herbst weiter in den Süden. Speziell in Frankreich und Italien kommt es im Oktober immer wieder zu starken Gewittern. Auch wir wagten dieses Jahr eine lange Tour nach Italien. Ein Bericht dazu wird in den kommenden Tagen erscheinen.

Zum Schluss möchte ich mich ganz herzlich beim HSD-Wetterteam, namentlich Jörg, Max, Marco und Peter bedanken. Ohne euch wäre das alles so nicht möglich! Ich hoffe, dass wir auch im Jahr 2014 wieder jede Menge Spaß haben werden…

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