07.09.13 – Rotierendes und fotogenes Gewitter am Neckar

Nachdem es bereits in der Nacht zum Samstag, 07.09. viele Gewitter entlang des Schwarzwalds gab, sah es auch für den Samstag an sich noch einmal interessant aus. Höchstwahrscheinlich das letzte Mal dieses Jahr waren dabei auch kräftigere Entwicklungen im Südwesten denkbar. Die Wettermodelle erfassten die Lage durchaus unterschiedlich. Da die Region Neckar/Alb/Baar/Schwarzwald am interessantesten schien, war erst einmal „sit and wait“ angesagt.

Was die Parameter der Atmosphäre an diesem Tag angeht lässt sich folgendes sagen: Labilität (ML-CAPE) war ausreichend vorhanden (500 J/kg +) und auch die Dynamik schien zu passen. Die Scherungswerte ließen auf einen erhöhten Organisationsgrad der Zellen hoffen. Außerdem war durch die Trogvorderseite und Randtröge/Konvergenzen erneut mit dynamischem Hebungsantrieb zu rechnen. Alles in Allem also ein – für September – recht ordentliches Setup.

Dazu als kurzen Überblick die beiden Sondenaufstiege von Stuttgart und Payerne (CH). Speziell dem Sounding von Payerne sieht man das Potential deutlich an:

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Quelle: (C) University of Wyoming – weather.uwyo.edu

Zurück zum Samstag: Nach einigem Warten war es dann soweit: Gegen 16:45 Uhr bildete sich südlich von Schramberg (LK Rottweil) eine kleine Gewitterzelle. Diese war anfangs nicht sonderlich auffallend und von der Reflektivität her auch nicht wirklich beeindruckend. Nach wenigen Minuten zeigte die Zelle jedoch ein deutliches Ausscheren nach Osten. Das war der Startschuss für die vermutlich letzte Jagd der Gewittersaison 2013.

Über die Autobahn näherten wir uns der Zelle von Norden. Bis auf eine sehr feuchte Grundschicht und viele Quellwolken rings herum war aber anfangs noch nicht viel erkennbar. Das änderte sich dann zwischen Rottenburg und Sulz am Neckar. Von hier konnte man einen ersten Blick auf die Aufwindbasis der Zelle werfen. Das sah so schlecht schon einmal nicht aus:

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Das durchaus konfuse Bewegungsverhalten der Zelle erschwerte uns erst einmal das genaue Durchpeilen der Zugbahn. Glücklicherweise war die Zelle sehr langsam unterwegs. Im Nachhinein schätzen wir die Verlagerungsgeschwindigkeit auf nur ungefähr 10-15 km/h! Wir querten die Zelle daher zunächst einmal und verschafften uns einen Überblick. Zu dieser Zeit schwächelte der Aufwind ziemlich stark und wurde sogar kurzzeitig fast strukturlos. Wir spielten schon mit dem Gedanken weiter nach Süden (Baar) und zu den dortigen Neuentwicklungen zu fahren. Allerdings schien die Zelle bei Empfingen noch nicht wirklich sterben zu wollen. Wir entschieden uns dazu doch an dieser Entwicklung dran zu bleiben und fuhren ihr daher wieder etwas voraus. Nahe Balingen war dann zu erkennen, dass sich die Zelle wieder gut erholt hatte. Der Aufwind sah gesund aus und vergrößerte sich stetig. Besonders die leichte, zipfelförmige Absenkung der Aufwindbasis in Richtung des Abwindbereiches gefiel uns:

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Zyklusabhängig oder auch aufgrund von Abschattungseffekten des Höhenwindes durch südlichere Gewitterzellen zeigte die Zelle weiterhin ein durchaus sporadisches Verlagerungsverhalten. Es gab Phasen in denen sie quasi direkt von West nach Ost zog, Phasen in denen sie nahezu ortsfest blieb und dann wieder Abschnitte in denen sie recht schnell nach Nordost zog. Nach grobem Abschätzen der Zugbahn positionierten wir uns dann zwischen Hechingen und Haigerloch bei Rangendingen. Von hier hatte man eine gute Sicht auf die langsam näher kommende Zelle.

Bleibt noch zu sagen, dass diese Gewitterzelle rotierte und sich im weiteren Verlauf, den wir von unserem Standort ideal verfolgen konnten, zu einem optisch sehr schönen Ungetüm mauserte. Der Aufwindbereich war sehr turbulent und man konnte sogar schön eine Art clear-slot (-> RFD) erkennen. Der Sonnenuntergang und das entstehende Gegenlicht sorgten für eine super Atmösphäre. Hier zunächst ein Zeitraffervideo des Aufzugs:

Die immer deutlicher sichtbare Wall-Cloud schob sich ganz gemächlich direkt auf uns zu. Bei den meisten Blitzen handelte es sich um Wolkenentladungen, welche irgendwann für ein fast kontinuierliches Dauergrummeln sorgten. Hier nun ein chronologischer Bilderverlauf von unserem Standort nahe Rangendingen:

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Wir fuhren dann später noch in den Kern der sich nun etwas abschwächenden Zelle. Hier gab es neben Platzregen auch Hagel bis ca. 2 cm Durchmesser. Größere Schäden dürfte es dabei aber nicht gegeben haben.

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