Schwere Gewitter an der deutsch-schweizer Grenze, 18.06.13

In der schwül-heißen Luftmasse entwickelten sich auch am Nachmittag und Abend des 18.06.13 kräftige Gewitter am Alpenrand. Erste Gewitterzellen entwickelten sich dabei auf der Südseite der Schweizer Alpen bzw. inneralpin. Aufgrund der nördlichen Hauptströmungsrichtung verlagerten sich die Zellen immer weiten in die Alpen und überquerten dabei mehr oder weniger durch ständige Neubildungen den Hauptkamm. Auf der Alpennordseite herrschte in den Bodennahen Luftschichten Anströmung aus nordöstlicher Richtung (Bise). Zusammen mit dem Outflow und leichtem Föhn entstand dabei nördlich der Alpen höchstwahrscheinlich eine Konvergenzzone dieser Winde, welche leicht unterstützt durch positive Vorticityadvektion in der Höhe für die Bildung der Gewitter sorgte.

Besonders hart traf es am späten Nachmittag die Region um Lindau am Bodensee, wo eine heftige Gewitterzelle für schweren Sturm (Downburst) sorgte. Die Zellentwicklung fand im weiteren Verlauf entlang der vermuteten Konvergenzzone statt, was einer Verlagerung Richtung WNW entsprach.

Als die starke Zelle am Bodenseeufer auf dem Radar erschien, fuhren wir los Richtung Hegau. Bereits auf der Fahrt konnten wir dabei den Aufwindbereich und den Eisschirm der Gewitterzelle sehen. Typisch für starke Gewitterzellen hat der Amboss eine sehr scharfe Abgrenzung und der Eisschirm ist etwas dicker (evtl. durch eine „Aufweichung“ der Tropopausengrenze):

IMG_1722-Bearbeitet IMG_1728-Bearbeitet

Im Hegau angekommen, konnten wir den inzwischen großen Gewittercluster auf uns zukommen sehen. Dabei war speziell die Richtungsscherung des Windes (s. Video) sowie die sich ausbildenden Mammatus-Wolken beachtenswert:

IMG_1741-Bearbeitet IMG_1765-Bearbeitet IMG_1767-Bearbeitet

Der stärkste Teil der Zelle schien jedoch nicht über den Bodensee kommen zu wollen und Zog weiter in der Nordschweiz nach WNW. Wir verlagerten unseren Standpunkt daher weiter Richtung Waldshut-Tiengen. Auf der Fahrt wurde dann ein neuer, massiver und deutlich rotierender Aufwindturm sichtbar, der sich gen Himmel schraubte. Generell schien in diesem Bereich die Windscherung enorm gewesen zu sein. Hier einige Bilder des Aufwinds, welcher im Dämmerlicht der untergehenden Sonne einfach atemberaubend aussah:

IMG_1776-Bearbeitet IMG_1783-Bearbeitet IMG_1784-Bearbeitet IMG_1784-Bearbeitet-2 IMG_1790 copy

Leider schaffte es die Zelle trotz allem nicht nach Deutschland. Dafür gibt es Berichte von Hagel bis 5 cm Durchmesser, welcher ungefähr zu der Zeit, zu der die obigen Fotos aufgenommen wurden, fiel.

Nahe Waldshut konnten wir noch einige kurzlebige Neuentwicklungen auf deutscher Seite beobachten. Diese Zellen waren zwar nicht sonderlich fotogen, dafür produzierte eine von ihnen einen längerlebigen Funnel in großer Höhe (vermutl. sogar noch auf schweizer Seite).

Hier ein Video inkl. Zeitrafferaufnahmen:

Advertisements