Starke Gewitter am 09.06.13 in Bayern

Für Sonntag, den 09.06. sah es für die Mitte und den Süden Deutschlands endlich einmal wieder nach Gewittern aus.

Wir setzten dabei aufgrund der aktuellen Wetterentwicklungen auf den Süden von Bayern. Hier schien ein guter Mix aus Labilität und Dynamik vorhanden zu sein, was auch die Bildung von organisierten Gewitterzellen möglich machen sollte.

Bereits gegen Mittag bildeten sich im Allgäu bei Kempten erste Schauer- und Gewitterzellen. Diese verstärkten sich auf ihrem Weg nach Osten deutlich. Aufgrund des fehlenden Deckels über der Grundschicht kam es leider nicht zur Ausbildung von wenigen, isolierten Zellen, sondern es bildete sich ein ganzer Verband/Cluster aus stärkeren Zellen.

Nur die südlichste dieser Zellen bei Garmisch-Partenkirchen schien eine gewisse Langlebigkeit und bessere Organisation zu besitzen. Nachdem wir uns bei der Anfahrt quasi mitten zwischen den ganzen Zellen des Clusters befanden, passten wir diese südliche Zelle südwestlich von Bad-Tölz ab. Der Aufwindbereich war hier noch ganz gut zu erkennen, allerdings zeigte auch diese Zelle aufgrund der gruppigen Auslöse bereits Zerfallserscheinungen:

IMG_1493-Bearbeitet

Einige der Zellkerne im Gewitterverbund waren süd- und speziell südöstlich von München sehr stark. Zwar handelte es sich oft nur um Zellen mit einem oder zwei Zyklen, diese waren teilweise aber durchaus heftig. So Hagelte es bei Rosenheim beispielsweise stärker. Auf der A8 kam es durch den Hagelschlag dabei zu einem längeren Stau:

IMG_1498

Südlich von Rosenheim konnten wir einige Schlossen mit knapp 4 cm Durchmesser finden:

IMG_1504 IMG_1509 IMG_1511

Auch hinter dem Zellverband kam es noch zur Auslöse von einigen kräftigen, aber kurzlebigen Gewitterzellen. Eine solche ist hier am Ausgang des Inntals, südlich von Rosenheim zu sehen:

IMG_1512-Bearbeitet

Da der Cluster – abgesehen von immer wieder empor schießenden Aufwindbereichen – leider recht unansehnlich war, beschlossen wir, erst einmal wieder Richtung Westen zu fahren.

Bereits auf der Fahrt nach Westen, die sich leider aufgrund der Umfahrung des Hagelstaus noch länger hinzog, bemerkten wir eine isolierte Zelle im Raum Augsburg. Diese schien aufgrund ihrer Radarsignatur sehr interessant. Wir gaben daher alles, um diese Zelle noch zu erwischen.

Tatsächlich schafften wir es, bei Dasing (östl. von Augsburg) die herannahende Zelle zu beobachten. Der Aufwindbereich sah anfangs noch ganz gut aus, aber auch diese Gewitterzelle lag kurze Zeit später nach langem Bestehen leider im Sterben:

IMG_1516-Bearbeitet-2 IMG_1520-Bearbeitet-2 IMG_1521-Bearbeitet-2

Ein Zeitraffer vom Aufzug befindet sich im Video!

Getriggert durch den Outflow der sterbenden Zelle bildete sich dann südlich etwas zwischen Augsburg und Mering eine neue Gewitterzelle, welche sich deutlich intensivierte. Wir fuhren also wieder etwas nach Süden um uns südlich des Aufwindbereichs zu postieren. Nordwestlich von Fürstenfeldbruck war der sehr turbulente Aufwindbereich dann schön zu sehen:

IMG_1528-Bearbeitet IMG_1531-Bearbeitet-2

Immer wieder bildeten sich unter dem Aufwind Fraktus Wolken, welche fast bis zum Boden hingen. Im Licht der untergehenden Sonne bot sich unterhalb des Aufwinds, welcher ab und zu durch Biltze erleuchtet war, eine tolle Stimmung:

IMG_1543-Bearbeitet

Ein kurzer Zeitraffer (leider aufgrund von Fehlfokus teilw. etwas unscharf) der Zelle ist auch im Video zu sehen.

Auf dem Weg Richtung Autobahn wurden wir dann vom Abwindbereich eingeholt. Wie ebenfalls auf dem Video zu sehen ist, war die Zelle immernoch sehr heftig und legte mit Hagel um 1-2 cm, Platzregen und starkem Wind los. Fahren war daher erst einmal nicht mehr möglich:

Wir querten die Zelle, welche zwar auf dem Radar noch gut aussah, optisch und auch Blitztechnisch aber leider deutlich abbaute, auf dem Weg nach Dachau noch einmal. Hier ging dann auch unsere Jagd zu Ende.

Zum Abschluss noch ein Blick auf den Sondenaufstieg von 14 Uhr, in München:

2013060912.10868.skewt

(C) University of Wyoming (weather.uwyo.edu)

Gut zu sehen ist eine recht ausgeprägte „Temperaturnase“ bei etwa 550 hPa. Diese schien die Entwicklungen jedoch nur bedingt zu stören. Im Gegenteil, zusammen mit der kleinen Trockeninversion auf dieser Höhe standen für die Bildung des Hagel gute Voraussetzungen bereit. Ein steiler Temeraturgradient in den unteren Stockwerken sorgte zudem für starke Aufwindimpulse aus der Grundschicht.

Die einzige Hinderung ist auf etwa 300 hPa/9000 m zu erkennen. Hier sind die lapse rates deutlich weniger steil. Aufgrund der mangelnden Energie gegen Abend war dies der Grund, weswegen die Zellen bei Augsburg nur noch etwa 8-9 km hoch waren.

Advertisements