Hochwasser im Südwesten am 01. und 02.06.13

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Hinweis: Ein ausführliches Video findet sich am Ende des Berichts

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Der Sommeranfang gestaltete sich – wie erwartet – sehr nass im Südwesten. Teilweise enorme Regenmengen sorgten für eine sehr gefährliche Hochwassersituation. Anfangs stiegen die Pegel der Nebenflüsse von Neckar und Donau steil an. Vorsorglich wurde daher bereits am 31.05. das Fluttor zwischen Tübingen-Lustnau und Bebenhausen geschlossen. Dieses soll Lustnau vor etwaigen Überflutungen des Goldersbachs schützen:

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Während es in er Region Tübingen am 01.06. vormittags noch eher ruhig war und die Pegel von Ammer, Goldersbach und Steinlach nur leicht erhöht waren, gab es in Veringenstadt an der Lauchert/Landkreis Sigmaringen bereits erste größere Probleme mit den Wassermassen. Die folgenden Bilder zeigen den großangelegten Einsatz von Feuerwehr und THW vor Ort:

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Der Pegel erreichte hier mit 135 cm eine beachtliche Höhe. Später am Abend stieg er aufgrund weiterer Niederschläge sogar auf 164 cm!

Nachdem die Situation in Veringenstadt halbwegs unter Kontrolle war, durchfloss die Echaz mit einer ersten Flutwelle Pfullingen, Reutlingen und Wannweil. Mit 177 cm lag der Pegel in Wannweil knapp unter dem Level, das erste größere Überflutungen verursacht hätte. Dennoch tobte der ansonsten kleine Fluss ganz schön:

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Auf den folgenden beiden Bildern ist zu sehen, wie noch am Nachmittag versucht wurde, eine Engstelle an einer Baustelle mit großen Sandsäcken zu sichern. Das Haus im Vordergrund wurde bei der zweiten Flutwelle am Abend unterspült und musste evakuiert werden.

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Im Tal zwischen Pfullingen und Honau gab es aber dennoch erste größere Übertritte der Echaz. Die Feuerwehr war hier bereits im Einsatz (s. Video).

Für die Starzel bei Rangendingen und für die Eyach bei Balingen/Owingen sah es dann kurze Zeit später sehr gefährlich aus. Da der Stauniederschlag an der schwäbischen Alb weiterhin für größere Regenmengen sorge, stiegen die Pegel dieser beiden Flüsse sehr rasant auf Rekordverdächtige Werte. Die Starzel, welche auch für die verheerenden Überflutungen im Killertal am 02.06.2008 verantwortlich war, erreichte dabei einen Höchststand von 223 cm. Hier handelte es sich um ein 100 jährliches Hochwasser! Wenngleich ein direkter Vergleich hinkt: Der Wert bei der Katastrophe im Killertal betrug „nur“ 198 cm.

Noch rasanter stieg der Pegel der Eyach bei Owingen/Balingen. Auch hier wurde mit einem Pegel von knapp 299 cm ein 100 jährliches Hochwasser erreicht. Der sonst eher kleine Fluss tobte und zeigte sich wirklich sehr gefährlich. Dabei wurden auch Teile von Owingen überflutet (s. Video):

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Kaum sank der Pegel der Eyach wieder etwas, war bereits das nächste Problem auf den Pegelkarten zu erkennen: Die Echaz in Wannweil schoss noch einmal rapide nach oben. Mit 224 cm wurde hier ein 50 jährliches Hochwasser erreicht. Der Scheitel lag damit deutlich höher als die Welle am Nachmittag, bei der es schon erste Überflutungen gab. Die Feuerwehr hatte daher allerhand zu tun. Darüber hinaus wurde an fast allen Brücken nach einer Person gesucht, die angeblich von der Echaz erfasst sein worden soll. Wenngleich das Vorhaben in Anbetracht der reißenden Ströme etwas aussichtslos erschien, richteten die Rettungskräfte an vielen Brücken Checkpoints ein, um nach der Personen Ausschau zu halten. Mehr dazu auch auf der Seite des Schwäbischen Tagblatts.

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Es ist nicht verwunderlich, dass derartige Wassermassen in den Nebenflüssen auch den Neckarpegel stark in die Höhe trieben. Der Neckar erreichte in der Nacht zum 02.06. am Pegel Kirchentellinsfurt (LK Tübingen) mit 591.4 cm sogar einen neuen Höchststand! Die Überflutungen waren enorm und die Hilfskräfte hatten alle Hände voll zu tun. Die Bilder stammen von er Brücke bei RT-Altenburg, im Hintergrund die Brücke des B27 Zubringers von Reutlingen. Immer wieder wurden große Baumstämme gegen die Brücke getrieben und es krachte gewaltig. Sogar einen halben (!) Stocherkahn aus Tübingen konnten wir beobachten. Auch er überlebte die Passage der Brücke nicht und wurde zu kleinholz verarbeitet. Durch das Wasser, was unten bereits an der Brücke anschlug, vibrierte diese außerdem fast vermanent recht stark.

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Am Elektrizitätswerk war man ebenfalls nicht mit solchen Wassermassen eingestellt. Die Feuerwehr versuchte verzweifelt die teure Elektronik/Mechanik vor der braunen Brühe zu schützen:

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Während man die Klostermühle versuchte vor dem Neckar zu schützen, gab man dieses Vorhaben bei den Gebäuden in den folgenden zwei Bildern vermutlich bereitrs auf:

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Der Wasserstand am Neckar war sogar so hoch, dass Teile der B27 Zwischen Tübingen und Stuttgart auf Höhe von Kirchentellinsfurt überflutet wurden! Auch dies sollte man als historisch ansehen:

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Die Polizeit leitete den Verkehr zwar über die Ausfahrt K’furt ab, zwei mutige Autofahrer versuchten es dennoch durch die knie- bis hüfttiefen Wassermassen. Einer von ihnen resignierte rechtzeitig, für den anderen sah das Ende so aus:

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Hier noch ein Panorama von der Brücke bei Kirchentellinsfurt. Der Neckar hat seinen natürlichen Verlauf ganz am rechten Bildrand. Das Bild zeigt die enormen Ausmaße der Überflutung. In der Mitte bzw. am rechten Bildrand liegt ein zum Baden beliebter Baggersee. Auch von ihm ist hier nichts mehr zu sehen:

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Eindrücke vom Stauwehr in der Bismarckstr. von Tübingen, wo das Stauwehr steht, gibt es im Video:

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