Kräftige Gewitter in Oberbayern am 09.05.2013

Die Wetterlage an Christi Himmelfahrt lies nicht unbedingt auf stärkere Gewitter in Süddeutschland schließen. Es war zwar etwas Labilität vorhanden, aufgrund eines fehlenden Deckels wurde die Energie jedoch größtenteils nicht „effektiv“ genutzt. Auf der schwäbischen Alb führte dies bereits am frühen Mittag zu vielen Quellwolken und dem ein oder anderen Schauer.

Interessanter sah es – wenngleich nicht offensichtlich – im bayrischen Voralpenland aus. Vor der Kaltfront, welche Mittags noch über Frankreich lag, war hier leichter Föhneinfluss vorhanden. Durch erhöhte Einstrahlung kam dadurch leichtes „alpines Pumpen“ in Gang, d.h. im Alpenvorland herrschte Bodenwind aus nordöstlichen Richtungen. Der Effekt war an diesem Tag zwar nicht sehr ausgeprägt, sorgte aber neben dem erhöhten Energiegehalt zusätzlich für eine leichte Richtungsscherung des Windes (Geschwindigkeitsscherung war ebenfalls etwas vorhanden).

Die Sondenaufstiege von München und Stuttgart (12z) zeigen schön, dass die Luftmasse durchaus brauchbar für Gewitter war, wenngleich München in diesem Fall nicht wirklich repräsentativ für Oberbayern ist:

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(C) University of Wyoming (weather.uwyo.edu)

An der mangelnden Feuchte der Grundschicht in München ist der Föhneinfluss jedoch schön erkennbar. Die ausgeprägte Trockeninversion in Stuttgart dürfte für hochreichende Konvektion – trotz höherer Labilität – durchaus ein hemmender Faktor gewesen sein.

Zu erwähnen ist außerdem, dass das hochaufgelöste 4 km WRF eine sehr gute Einschätzung dieser Wetterlage lieferte. Bereits am Vortag rechnete es mit Auslöse am Ausgang des Lechtals bei Füssen, der klassischen Region für die späteren Voralpenzellen. Auch der nächtliche Lauf blieb bei dieser Zelle. Nachdem der morgendliche Check zeigte, dass die Realität gut mit dem Modell überein stimmte, fiel die Entscheidung los zu fahren.

Bereits während der Fahrt stellte sich dann heraus, dass WRF auf mit der Entwicklung am Alpenrand recht behalten sollte. Gegen 15 Uhr bildete sich südlich von Nesselwang die erwartete Zelle, welche langsam nach ONO zog. Nördlich von Schongau konnten wir einen ersten Blick auf das Gewitter werfen, welches eine vom Abwind getrennte und niederschlagsfreie Aufwindbasis besaß (15:50 Uhr):

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Der nächste kurze Fotostop fand am Fuß des Hohenpeißenbergs statt (16:11 Uhr):

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Der Aufwindbereich wurde nun deutlich turbulenter. Daher stammen die nächsten Bilder bereits von einer Position, welche nur etwas östlich von Hohenpeißenberg liegt (16:25/16:33 Uhr):

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Optisch und auf dem Niederschlagsradar war gut zu sehen, wie die Zelle einen nach dem anderen Zyklus durchlief. Dabei bildete sich der neue Aufwind anfangs immer einige Kilometer östlich bzw. leicht südöstlich des alten Aufwindes, welcher sich daraufhin dann kurze Zeit später auflöste. Während der ersten ein bis zwei Zyklen zeigte der Aufwindbereich eine leicht ausgeprägte zyklonale Rotation (s. Zeitraffer im Video unten). Um eine persistente Mesozyklone handelte es sich aber definitiv nicht.

Wir befanden uns bei der Weiterfahrt leicht südlich des Aufwindes, welcher weiterhin an Dynamik zulegte (16:59 Uhr):

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Beim Versuch wieder vor die Zelle zu gelangen, kamen wir direkt unter den Aufwind und wurden dabei am Ostufer des Starnberger Sees bereits vom nahenden Abwindbereich eingeholt. Dieser brachte sehr starken Wind (Sturmstärke) und heftigen Platzregen, vereinzelt mit kleinem Hagel durchmischt (17:07 Uhr):

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Es gelang uns jedoch wieder vor die Zelle zu kommen, welche nun sehr fotogen aussah (17:24/17:30/17:35 Uhr):

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Bei Königsdorf (östl. des Starnberger Sees) konnten wir die Zelle, welche ihre Aufwind- und Grundstruktur nun deutlich geändert hatte, erneut in voller Pracht sehen (17:40/17:45 Uhr):

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Auf dem zweiten Bild ist ein Segelflieger zu sehen, welcher kurz vor Ankunft der Zelle im Eiltempo landen musste. Auch auf dem Video (s.u.) ist neben der großen Dynamik der Wolkenunterweite auch dieser Segler zu sehen. Als uns der kräftige Outflow der Zelle erreichte, fuhren wir weiter Richtung Osten. Der Outflow war bereits ein Zeichen dafür, dass es um die Zelle nicht mehr ideal bestellt war. Auf der Weiterfahrt kam uns der Abwind noch einmal sehr nahe (17:48 Uhr):

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Dank der A8 war es uns jedoch möglich vor der Zelle zu bleiben, welche nun mehr und mehr Linienform annahm und dabei nach wie vor interessant aussah (18:27 Uhr):

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Am Seehamer See konnten wir dann einen Blick auf den sich im Süden weiterhin regenerierenden Aufwind werfen, welcher ebenfalls sehr dynamisch war und kurzzeitig eine kleine Absenkung aufwies (18:33/18:38 Uhr):

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Nördlich von Rosenheim war dann jedoch erkennbar, dass sich die Zelle im Auflösungsstaium befand. Der kalte Outflow, welcher jede Menge Blütenpollen vor sich her trieb, erreichte uns kurz nachdem dieses Bild entstand (19:18 Uhr):

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Eben von diesem Ouflow ausgelöst, fand quasi über uns und im weiteren Verlauf auf bereiter Front Neuentwicklung einiger Zellen statt. Die Unterseiten der neuen Aufwinde waren dabei wunderbar glatt gezogen und hatten einen seidenen Touch (19:34 Uhr):

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Weiter Richtung Osten zu fahren schien jedoch nicht sonderlich sinnvoll. Daher ging es erst einmal wieder zurück in Richtung Heimat. Auf der Fahrt zeigte sich dann jedoch, dass der Gewittertag noch nicht ganz vorbei war. Gegen 20 Uhr bildete sich bei Oberstaufen im Allgäu eine weitere Gewitterzelle. Anfangs schien es in dieser Region auf breiter Front auszulösen. Die Zelle schaffte es jedoch sich von den anderen schwachen Entwicklungen abzusetzen und schwenkte im weiteren Verlauf auf eine ähnlich Zugbahn wie die Zelle am Nachmittag ein. Wir entschlossen uns über das Alpenvorland Richtung Westen zu fahren und die Zelle – falls möglich – abzufangen. Dabei konnten wir immer wieder den von Blitzen erleuchteten Aufwind des Gewitters sehen. Die Zelle überlebte tatsächlich und wir postierten uns südlich von Weilheim um den Aufzug zu beobachten. Leider nahm die Blitzaktivität der Zelle deutlich ab (sie war nicht sonderlich hochreichend). Beim fotografieren waren wir daher fast ausschließlich auf die passive Ausleuchtung der Zelle angewiesen. Der Aufwindbereich schien aber von Anfang an nicht ganz uninteressant zu sein:

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Der Aufwind näherte sich uns vom Hohenpeißenberg her kommen und die Strukturen waren nach wie vor spannend. Nur blitzen wollte die Zelle in diesem Zeitfenster leider gar nicht mehr:

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Als sich der Aufwind dann quasi direkt über Weilheim befand und von einem dort installierten Strahler angeleuchtet wurde, wurde die Zelle wieder kurzzeitig blitzaktiv. Leider konnte ich keine dieser Entladungen auf Bild bannen. Und so bleibt auch hier nur auf die passive Ausleuchtung zurück zu greifen:

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Danach war es dann aber wirklich vorbei mit Gewittern und es ging gen Heimat, wo nach 14 Stunden der Ausflug zu Ende war.

Hier noch ein kurzes Video inkl. Zeitraffer zur Gewitterzelle am Nachmittag:

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