Schweres Gewitter am Chiemsee, 03.06.12

Am 03.06.12 führten uns die Wetterkarten in das südliche Bayern. Dort sah es an diesem Tag gut aus für organisierte Gewitter. Für eine synoptische Übersicht sei an dieser Stelle nur kurz auf ESTOFEX verwiesen. Während der Tag in Baden-Württemberg bereits regnerisch begann, war es am bayrischen Alpenrand dank Föhnunterstützung noch sehr freundlich und warm. Da die Atmosphäre gut gedeckelt war, wurde die Konvektion ziemlich lange unterdrückt. Bei Ankunft am späten Mittag in der Region Bad Tölz war es daher noch sehr idyllisch:

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Am späten Nachmittag zogen einige Schauer aus dem Lechquellgebirge in Alpenvorland hinaus und intensivierten sich dabei. Auch vorlaufend bildete sich eine kleine Gewitterzelle, welche anfangs jedoch nicht sonderlich fotogen war:

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Weiter westlich folgte jedoch ein kleinerer Zellkomplex, welcher sich aus den Schauern des Lechquellgebirges entwickelt hatte. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch auch dieser noch nicht sonderlich schön anzuschauen:

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Optisch konnte man jedoch große Dynamik erkennen. Auch das Niederschlagsradar zeigte deutlich Intensivierung. So wurde der Standpunkt weiter nach Osten verlegt. Da das Gewitter recht flott unterwegs war, holte es uns kurzzeitig ein. Dank wenig Verkehr auf der Autobahn gelang es uns jedoch uns wieder vor die Gewitterzelle zu setzen. Dabei fuhren wir kurz auch direkt unter dem Aufwind der Zelle, welcher schon recht schön aussah:

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Nachdem wir wieder vor der Zelle waren, konnte man an der Vorderseite bereits tiefe Arcuswolken sehen. Die Zelle schien sich weiterhin deutlich zu verstärken:

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Aufgrund der hohe Zuggeschwindigkeit fuhren wir noch deutlich weiter und erst auf Höhe des Chiemsees von der Autobahn ab. Bei Chieming angekommen bot sich bereits ein beeindruckendes Bild der aufziehenden Zelle, welche in der Zwischenzeit Linienform angenommen hatte:

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Der Aufzug der shelf-cloud war beeindruckend. Außerdem konnte man im Vorfeld die Hagelflieger von Rosenheim bei ihrer Arbeit beobachten. Die Zelle kam nun schnell näher. Dazu einige Bilder:

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Wie man an der Wasseroberfläche des letzten Bildes oben erkennen kann, war es bis dahin fast Windstill. Nur das Grummeln der Blitzentladungen war zu hören. Diese Ruhe sollte jedoch bald ein Ende haben. Wie es typisch für diese Form der Gewitter ist, brachte auch diese Zelle starke Winde am Boden mit sich. Das folgende Video zeigt sehr eindrücklich noch einmal die Atmosphäre vor dem Durchgang, einen kurzen Zeitraffer des Aufzugs und dann den Durchgang mit Sturm und Platzregen in voller Wucht:

Die Wellen auf dem See erreichten wie auf dem Video zu sehen beachtliche Höhen (ca. 1 m). Schäden konnten jedoch – abgesehen von einigen abgerissenen Ästen – in der näheren Umgebung keine ausgemacht werden.

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