Superzellen in Bayern, 27.04.2013

Am gestrigen Samstag, 27.04.2013 gab es die ersten heftigen Gewitter der noch jungen Saison 2013. Die frühsommerlich warme Luft wurde im Südwesten bereits am Freitag ausgeräumt. Dabei bildete sich am Abend eine kleine Gewitterzelle, welche entlang der Donau zog. Im Süden und Südosten war zu dieser Zeit starker Alpenföhn am Werk. Auch die feuchtwarmen und potentiell instabilen Luftmassen verblieben in diesen Regionen bis zum Samstag. Nach Sonnenaufgang wurde die Wolkendecke im Süden und Südosten Bayerns schnell löchrig und die Sonne konnte einstrahlen. Zudem brach erneut der Föhn durch, was für Temperaturen über 20 °C, teilweise sogar knapp über 25 °C sorgte. Bodennahe Winde aus Ost/Südost sorgten in Kombination mit den starken Höhenwinden für eine ausgeprägte Windscherung – zusammen mit der instabilen Luftmasse ein typisches Setup für heftigere Gewitter am Alpenrand.

Der Sondenaufstieg in München von 14 Uhr liefert einen sehr guten Einblick in die brisante Luftmasse:

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(C) University of Wyoming – weather.uwyo.edu

Natürlich war nicht ganz klar, ob – und wenn ja – wann und wo die Bildung der Gewitterzellen stattfinden würde. Die klassische Schiene, bei der es zur Auslöse Richtung Lechtal/Lechtaler Alpen kommt, schien uns an diesem Tag mit einer zu vermutenden Ablösung der Zellen von den Voralpen kein Garant zu sein. Der Mittag und frühe Nachmittag wurde bei sommerlichen Temperaturen daher erst einmal am Chiemsee verbracht. Hier zeigte sich schön der Einfluss des Föhns:

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Kurze Zeit später ging es sehr schnell. Tatsächlich entwickelte sich beim Starnberger See gegen 16:30 Uhr eine erste, kräftige Zelle. Diese wies von Beginn an sehr auffällige Merkmale auf dem Niederschlagsradar auf. Statt – wie sonst meist üblich – an den bayrischen Voralpen weiter Richtung Osten zu ziehen, verlagerte sich die Zelle nach NO. Gleichzeitig fand Auslöse auf breiter Front statt. Auf einer gedachten Linie von dieser Zelle über den Großraum München hinweg bis in die Region Erding/Freising/Landshut bildeten sich einige sehr kräftige Gewitterzellen.

Während dessen trocknete die Grundschicht am Chiemsee durch einen gewaltigen Föhnvorstoß bedrohlich ab. Es war damit zu rechnen, dass es in dieser Region keine Gewitter mehr gab. Es ging daher auf nach Westen. Die folgenden zwei Bilder (17:15 Uhr und 17:40 Uhr) zeigen den Aufwind der Zelle, welche sich südlich von Freising befand:

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Auf der Fahrt Richtung Wasserburg am Inn wurde auch der kräftige Aufwindbereich der Zelle vom Starnberger See sichtbar. Nachdem diese Superzelle für größeren Hagel bis 4 cm sorgte, zog sie südlich von München vorbei in unsere Richtung:

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Der ursprüngliche Plan die Zelle abzufangen scheiterte leider daran, dass sich das Gewitter quasi direkt über unseren Köpfen auflöste. Der kalte Outflow der Zelle sowie der anderen Gewitter weiter im Norden sorgte vor Ort für eine gespenstische Stimmung. Die Feuchte der Grundschicht kondensierte teilweise in Form von tiefen Wolkenbändern aus. Gut zu sehen auf einem Bild, in dem sich die angesprochene Zelle bereits im Auflösungsstatium befand:

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Da die heftigere Zelle, welche auf dem Weg Richtung Dingolfing/Deggendorf war, nicht mehr eingeholt werden konnte, musste erst einmal gewartet werden. Nur kurze Zeit später fand sowohl westlich, als auch östlich von uns Neubildung statt. Die westliche Zelle zeigte sich mit einem satten Aufwind:

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Die östliche Zelle bei Isen verstärkte sich um 18:30 Uhr jedoch rasant und schien deutlich interessanter. Optisch war sie zu Beginn aufgrund der vielen tiefen Wolken sowie vielen Quellwolken im Umfeld nicht wirklich erkennbar. Als wir den ersten Blick auf sie werfen konnten, war bereits schöne Dynamik sichtbar. Auf dem Video (s. unten) ist auch zu hören, dass die Blitzaktivität sehr hoch war, was sich in einem Dauergrollen bemerkbar machte (19:15 Uhr):

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Wir fuhren anschließend der Zelle voraus und konnten dabei immer mehr die schönen Strukturen des Aufwindbereichs erkennen (19:23 Uhr):

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Beim nächsten Fotostopp zeigte sich die Zelle im Licht der tiefstehenden Sonne in voller Pracht: Eine schöne Wallcloud zierte den Aufwindbereich, der merklich zyklonal rotierte (19:27 Uhr):

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Es ging weiter und wir fuhren einige Zeit parallel zum Aufwindteller, der einfach wunderschön aussah (19:30 Uhr):

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Ich sollte evt. erwähnen, dass die Bilder zwar suggerieren, die Zelle sei noch ziemlich weit entfernt, dies ist allerdings durchaus dem Ultraweitwinkelobjektiv geschuldet. Ein Bild im „normalen“ Weitwinkel von 15 mm (= 24 mm am Vollformat) zeigt schon eher, wie nah die Zelle war (19:32 Uhr):

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Auch beim nächsten Fotostopp sah die Superzelle im Abendlicht grandios aus. Sie blitze auch weiterhin munter vor sich hin, wobei es sich bei den meisten Entladungen um Wolkenblitze handelte (19:40 Uhr):

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Auf der Weiterfahrt konnte ich sogar eine dieser Entladungen mit dem Aufwindbereich im Hintergrund auf Bild bannen (19:44 Uhr):

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Wie im folgenden Bild rechts unten gut zu sehen, kamen wir immer wieder knapp an den Abwindbereich der Zelle, aus dem großtropfiger Regen sowie einzelne kleine Hagelkörner um 1 cm fielen (19:45 Uhr):

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Die Zelle war schnell und die Straßenlage auf dem Land in der Umgebung von Vilsbiburg eher suboptimal. Daher beschlossen wir uns dazu, die Zelle passieren zu lassen. Diese zeigte einen immer noch gesund aussehenden Aufwindbereich (19:50 Uhr):

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Beim Abzug konnten wir dann sogar noch einige Blitzentladungen festhalten (20:20 Uhr; s. auch auf dem Video):

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Die Superzelle löste sich dann ca. 2 Stunden nach ihrer Entstehung auf.

Hier noch ein Video, das viel des Geschilderten zeigt:

Auf dem Heimweg konnten wir bei Dingolfing/Mamming ernste Schäden durch Hagel erkennen. Diese Schäden wurden allerdings von der bereits erwähnten, früheren Zelle verursacht, welche die Region bereits zwischen 18 und 19 Uhr überquerte. Die Hagelmassen lagen selbst am Rand der Autobahn einige cm hoch. Der Hagel sorgte außerdem für einige Überschwemmungen. Viele Einsatzkräfte der Feuerwehr waren in der Umgebung im Einsatz. Etwa zwei Stunden nach Durchgang der Zelle waren die Hagelkörner immer noch ca. 2-3 cm groß, was auch in dieser Region auf Hagelschlag mit Körnern um 4 cm Durchmesser schließen lässt:

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Dazu auch ein Medienbericht.

Gegen 3 Uhr in der Nacht waren wir wieder daheim und dieser bemerkenswerte Gewittertag ging nach 15 stündiger Jagd zu Ende.