Hagelgewitter auf der Alb, 24.05.2012

Eine sehr feuchte Grundschicht, ein kleiner Deckel, stärkere laps-rates (Temperaturabnahme mit der Höhe) und ca. 1 kJ/kg CAPE standen der Konvektion an diesem Tag zur Verfügung. Als Auslöser kamen orographische Hebung sowie outflow-boundaries von bereits existierenden Zellen in Frage. Windscherung war kaum vorhanden, weshalb man hauptsächlich von Einzel- und Multizellen ausgehen konnte. Aufgrund der recht instabilen Schichtung sowie den hohen CAPE Werten waren auch „pulsed storms“ möglich, welche für die Bildung von größerem Hagel sorgen können. Die Hauptströmungsrichtung an diesem Tag war eher ungewöhnlich: NO -> SW.

Bereits am frühen Mittag entwickelten sich über der schwäbischen Alb zahlreiche Quellungen und auch erste kurzlebige Gewitterzellen. Mein Zielgebiet für diesen Tag war die Baar, irgendwo bei Tuttlingen/Villingen-Schwenningen/Donaueschingen. Ich fuhr gegen 12 Uhr los, überlegte es mir während der Fahrt jedoch anders und fuhr zunächst auf die Alb bei Albstadt. Da die Konvektion dort bereits in vollem Gange war, konnte ich die Bildung, Reifung und den Durchzug von zwei Gewitterzellen vor Ort mit verfolgen:

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Bereits die zweite Zelle brachte kurzzeitig kleinen Hagel. Ansonsten waren die Zellen eher unfotogen und weiter nicht spannend. Gegen 15 Uhr konnte man auf dem Radar sehen, dass eine kräftige Zelle von Ulm kommend an der Donau entlang Richtung SW zog. Da die Radarbilder recht interessant aussahen und die Zelle eine gewisse Konsistenz aufwies, beschloss ich sie abzufangen. Ich fuhr von Albstadt Richtung Sigmaringen und dann weiter Richtung Riedlingen. Kurz hinter Sigmaringen konnte man jedoch das bereits anfangs erwähnte Phänomen der outflow-getriggerten Konvektion sehen. Vor der eigentlichen Zelle schossen plötzlich viele Wolkentürme Richtung Himmel:

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Außerdem schienen die kräftigsten Quellungen auf der Alb und nicht mehr an der Donau zu sein. Ich machte also kehrt und fuhr wieder auf die Alb Richtung Inneringen. Auf dem Weg dahin kam ich in dichteren Hagel mit 1-1.5 cm Durchmesser. Nach kurzer Pause am Straßenrand fuhr ich weiter nach Inneringen. Dort angekommen bot sich ein sehr schöner Anblick! Der Aufwindbereich einer Zelle zog genau zu dieser Zeit über Inneringen hinweg. Die Wolkenabsenkungen direkt über meinem Kopf hingen fast bis zum Boden und schienen zudem kurzzeitig leichte Rotation aufzuweisen:

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Ich fuhr anschließend mit dem Aufwindbereich mit (Richtung Veringenstadt). Dieser sah nach wie vor sehr turbulent aus:

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Nach und nach holte mich jedoch der Niederschlagskern ein. Die Fallstreifen kündigten bereits den bald folgenden Hagelschlag an:

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Kurz vor Veringenstadt erreichte mich der Hagel mit anfangs ca. 2 cm. Ich fuhr rechts ran und wartete das Gröbste ab. Es hagelte jedoch länger, als ich dachte (knapp 10 min.) wodurch ich kostbare Zeit verlor. Auf dem Radar hatte ich nämlich schon die nächste interessante Zelle ausgemacht. Diese bildete sich bei Reutlingen und zog am Albtrauf Richtung SW. Ich wollte sie bei Balingen abfangen. Leider musste ich dann eine Umleitung fahren und kam nur durch einen deutlichen Umweg zurück nach Albstadt. Auf der Albhochfläche konnte man dicke Nebelschwaden (durch Hagel) sowie die verursachende und abziehende Zelle von etwas früher sehen:

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Kurz hinter Albstadt war dann auch die Zelle aus Richtung Reutlingen zu sehen:

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Zu allem Überfluss kam ich vor Balingen auch noch in einen unfallbedingten Stau, der mich über 45 min. kostete. Die Zelle erreichte ich daher nicht mehr. Trotzdem war es ein gelungener Tag.

Einige Szenen des Tages sowie der Hagelschlag sind in diesem Video zu sehen:

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