Gewitterlinie, 05.08.11

Die Serie von fotogenen Gewitterlinien im Alb-Neckarraum 2011 sollte nicht abreißen. Für den 05.08. sah es allerdings zunächst nicht danach aus. Zwar griff ein Langwellentrog von Frankreich auf Deutschland über und im Vorfeld bauten sich einige hundert J/kg an CAPE auf, die Windscherung war jedoch recht schwach. Außerdem modellierten die großen Wettermodelle einen kleinen Höhenrücken über Süddeutschland, der es der Konvektion schwer machen sollte. Der Föhn sprang ebenfalls an und es herrschten insgesamt eher schlechte Voraussetzungen für Gewitter. Die Warnlage für diesen Tag sah demnach nicht sonderlich spannend aus (z.B. ESTOFEX).

Wie es aber häufiger vorkommt: Gewitter halten sich nicht immer an Modelle und Vorhersagen. Der 05.08. startete warm und sehr schwül. Bereits Mittags begann es rings herum zu brodeln und das subjektive Gefühl sagte: bald kracht es. Am späten Nachmittag bildeten sich in der Region um Basel, dem südlichen Rheintal sowie dem Schwarzwald zahlreiche kleine Gewitterzellen. Aufgrund der geringen Windscherung und der schwachen Höhenströmung wuchsen diese immer mehr zu einem Cluster zusammen. Trotz des geringen Grades an Organisation können solche Systeme gefährlich werden: Durch die geringe Zuggeschwindigkeit sind örtlich enorme Regenmengen möglich.
Der Cluster bewegte sich langsam über den Schwarzwald Richtung Baar-Kreis und löste dabei vermutl. durch seinen Outflow eine neue Gewitterzelle bei Horb a. N. aus (ca. 18:50 Uhr). Diese verstärkte sich anschließend fortan und zog auf leichtem NO Kurs Richtung Neckartal/Albkante.
Auf dem folgenden Bild ist die (noch) kleine Gewitterzelle um 19:05 Uhr zu sehen:

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Von meiner Position aus konnte man die weitere Reifung und Verstärkung der Zelle gut verfolgen:

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Das Gewitter nahm mehr und mehr Linienform an und bildete (wie es sich gehört) langsam eine shelf-cloud aus:

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Hier einige Panoramen des Aufzugs:

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Die Zelle wurde recht blitzaktiv und grummelte durch die Wolkenentladungen schön vor sich hin. Bei Durchzug der Böenfront fing es dann kurz an zu stürmen. Es folgte lang anhaltender und starker Platzregen und viel Geblitze (über 90% innerhalb der Wolken):

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Durch den starken und lange anhaltenden Platzregen kamen an einer nahegelegenen Wetterstation in Tübingen innerhalb von ca. 3 Stunden knapp 50 mm Niederschlag zusammen. Das ist eine sehr große Menge für ein einzelnes Gewitter!

Zum Schluss noch ein kleines Video vom Aufzug:

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