Unwetter, 12.07.2011

Bereits am 10.07. zeichnete sich in den Modellwelt ein großflächige Gewitterlage ab. Der Fokus sollte damals noch in Frankreich liegen, doch auch für den Südwesten sah es interessant aus. Zu verdanken war dies einem Trog über der Biskaya. Trogvorderseitig sollte der Süden und Südwesten auch in den Bereich eines Maximums des upper level jets kommen. Die Modelle rechneten zwar hohe Mengen an Scherung und Energie (CAPE in Bayern bis 4000 J/kg), jedoch variierten die Läufe teils erheblich. Einen genauen Fokus für Gewitter konnte man daher auch am 11.07. noch nicht ausmachen. Das Timing für das Durchschwenken und den Kaltfrontdurchgang war ebenfalls suboptimal (Nacht von 12. auf 13.07.), wenngleich es auch hier deutliche Diskrepanzen in den Läufen gab. Synoptisch gab es einen weiteren Unsicherheitsfaktor, der auch größere Teile von Baden-Württemberg betraf: den Föhn. Vor dem nahenden Trog sollte sich nach GFS ein recht kräftiges Bodentief bilden. Das ist recht normal und häufig zu beobachten. Seite Position war diesmal aber so, dass es zur massiven Advektion von warmer Luft aus SW/S kommen sollte. Dies wiederum sorgt i.d.R. für starken Alpenföhn mit den bekannten Folgen (sehr trockene Luft in der Grundschicht + ggf. lokal erhöhte Scherung). Bricht der Föhn richtig durch, verhindert er (in BaWü) meist recht effektiv die Auslösung von Gewittern. Zusammen mit der bereits erwähnten Unsicherheit seitens der Modelle war als nowcast angesagt. Zu erwähnen ist, dass auch ESTOFEX den Fokus für stärkere Gewitter erst auf Spanien und Frankreich legte, ihn dann aber später in einem Update bis in den Südwesten von D ausdehnte.

Am Nachmittag ging es dann los. Erste Gewitterzellen bildeten sich in Frankreich und zogen nach NO. Darunter auch eine Gewitterlinie, welche auf den Rheingraben zusteuerte. Auf dem Niederschlagsradar und von der Blitzaktivität her war diese Linie sehr heftig. Doch wie immer, wenn bereits existierende Gewitter aus SW kommen, musste die Linie erst einmal den Schwarzwald „überleben“. Tatsächlich schwächte sie sich dabei deutlich ab und schien sich auch leeseitig nicht recht erholen zu wollen. Gleichzeitig konnte man auf dem Radar zwei Superzellen beobachten: eine in den schweizer Voralpen und eine weitere große bei Heilbronn. Beide verursachten nicht unerhebliche Sachschäden durch Sturm und Hagel. Doch für das Neckartal und meine Region sah es anfangs nicht so gut aus, was kräftige Gewitter anging. Die Linie schwächelte nach wie vor (auf dem Radar). Ich begab mich trotzdem auf den Ausguck und ließ mich überraschen. Von Anfang an fiel mir die hohe Anzahl an Bodenblitzen auf, die man bereis aus über 30 km Entfernung sehen konnte:

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Nach und nach wurden immer mehr Strukturen sichtbar. Visuell und von der Blitzaktivität schien sich die Gewitterlinie wieder zu verstärken:

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Auch der Aufwindbereich an der vorderen Seite wurde nun besser sichtbar. Die Stimmung war einfach toll:

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Von da an ging es recht schnell: Es fing bereits stark an zu winden und die Blitze schlugen in nicht mehr allzu großer Entfernung ein. Ein letztes Bild…

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und dann ging es unter das sichere Dach. Man konnte bereits mehr oder weniger „Dauergrollen“ hören, was wohl den zahlreichen Blitzentladungen geschuldet war. Kurz später fing es dann an sehr heftig zu Regnen und der Wind drehte massiv auf. Er erreichte in Böen sicher um die 100 km/h.
Der beschriebene Auf- und Durchzug mit Sturm ist auf dem folgenden Video schön zu sehen:

Der Sturm blieb natürlich nicht ohne Folgen. Es gab zahlreiche abgebrochene Äste und einige umgestürzte Bäume:

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Die Schäden betrafen den ganzen Landkreis (-> schwäbisches Tagblatt).

Der Gewittertag war jedoch noch nicht vorbei. Am späten Abend zogen weitere Gewitterzellen durch. Diese waren zwar nicht mehr allzu kräftig, zeigten jedoch schöne Blitzentladungen:

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