Superzelle, 21.05.2009

Dieser Tag erhielt bereits früh meine Aufmerksamkeit. Die Modellkarten versprachen damals für ganz Deutschland Action in Form von stärkeren Gewittern (Einschätzung von ESTOFEX zu der damaligen Lage). Am Abend des 20.05. drohte die Lage jedoch etwas zu kippen. Im Südwesten sah es danach aus, als ob Überbleibsel von nächtlichen Gewittern in Frankreich die Lage gewaltig entschärfen würden. Bei diesen „Gewitterleichen“ handelt es sich v.a. um die Cirrenschirme der ehemaligen Cumulonimbus-Wolken, eine Form von Bewölkung in hohen Schichten. Sie verhindern die Sonneneinstrahlung und damit die Bildung/Steigerung der Labilität/Energie. Tatsächlich schaute es am Morgen des 21.05. nicht sonderlich gut aus. Die Einstrahlung wurde tatsächlich effektiv behindert. Doch am frühen Mittag zeigte sich die Sonne dann etwas häufiger und prompt bildete sich eine erste, heftige Gewitterzelle im Kreis Stuttgart. Die anderen Parameter für schwere Gewitter waren ebenfalls vorhanden: Starke Windscherung (25-30 m/s) sprach für das Auftreten von organisierten Multizellen und Superzellen. Um ca. 14:15 Uhr zog ein konvektiv durchsetztes Niederschlagsgebiet (gewittriger Regen sozusagen) aus Frankreich kommend auf Karlsruhe und den Rheingraben zu. Am südlichen Teil davon bildete sich gegen 14:45 Uhr eine starke Zelle. Es ist nicht selten, dass Konvektion bei Erreichen des Rheingrabens kurzzeitig auflebt, bevor sie sich am Schwarzwald dann wieder abschwächt. An diesem Tag bildete sich jedoch keine normale Gewitterzelle, sondern eine Superzelle. Diese scherte leicht nach SO aus und überquerte den Schwarzwald ohne Probleme. Die Zugrichtung auf dem Radar ließ mich auf einen Treffer für den Kreis Tübingen hoffen. Ich begab mich auf Warteposition und konnte gen Westen viel dunkles Gewölk sehen. Nach und nach kamen erste Konturen zum Vorschein. Gegen 15:30 Uhr zeichnete sich am Horizont der Aufwindbereich der Zelle ab:

Es zeigte sich, dass die süd-Komponente der Zugbahn doch stärker war, als ich dachte. Die Gewitterzelle zog damit leicht südlich meiner Position durch. Der Aufwindbereich veränderte seine Struktur dabei ständig:

IMG_1436  IMG_1442IMG_1439

Die Blitzaktivität betrug nur ca. 2-3/min., wobei es sich bei den meisten Entladungen um Wolkenblitze handelte. Der Niederschlag war nun immer besser in Form von Fallstreifen sichtbar. Er verdeckte mir zunehmend die Sicht auf den Aufwindbereich. Auch das Radar zeigte zu dieser Zeit (ca. 15:55 Uhr) sehr hohe Reflektivitäten. Laut Berichten fielen dabei auch größere Mengen Hagel:

Quasi über meinem Kopf veränderte die Zelle ihre Grundstruktur (vermutlich löste sich die Mesozyklone auf):

Es entstand eine intensive Gewitterlinie, die später das Neckartal und den Albtrauf entlang zog und auch dort für Sturm und Hagel sorgte. Der Durchgang an meiner Position selbst gestaltete sich nicht all zu spektakulär. Neben einigen strammen Böen gab es Platzregen der anfangs mit kleinen Mengen an kleinkörnigem Hagel durchsetzt war.

Das folgende Video zeigt den Zeitraffer des Aufzugs (7-fache Geschw.):

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s