Hagelunwetter, 23.06.08

Die Wetterlage, die dafür verantwortlich war, dass es an diesem Tag im Süden von Deutschland verbreitet schwere Gewitter mit großem Hagel gab, war erneut klassischer Natur: Auf feuchte und warme Luftmassen in Süddeutschland traf eine Kaltfront eines großen Tiefdruckgebiets über Schottland. Der Front voraus lief noch eine Konvergenzlinie, an der erste heftige Entwicklungen statt fanden. Sehr entscheidend war die an diesem Tag recht ausgeprägte Windscherung: Die 0-3 km SRH (Storm-relative Helicity) betrug südlich der schwäbischen Alb zwischen 150 und 200 m²/s². Die CAPE-Werte lagen im Bereich von 1000 – 1500 J/kg, was bei dieser Scherung mehr als genug für die Entwicklung von organisierten Zellen und sogar Superzellen war. Und auch an diesem Tag war die Konvektion anfangs durch einen „Deckel“ gehemmt, was die Entwicklung einzelner aber dafür heftiger Zellen begünstigen sollte (Einschätzung von ESTOFEX bzw. Update).

Der Deckel wurde entlang der Luftmassengrenze, welche zum Mittag quasi entlang der schwäbischen Alb lag, bereits recht früh durchbrochen. Kurz nach 12:30 Uhr erschienen erste Zellen auf dem Radar. Sie bildeten sich an der südlichen Albkante entlang der Donau. Dabei handelte es sich anfangs jedoch nicht um sonderlich organisierte Sturkturen. Dies änderte sich jedoch recht schnell. Eine der Zellen an der Donau scherte leicht aus dem Verbund aus und bewegte sich fortan mit hoher Geschwindigkeit auf Ostkurs. Diese fast isolierte und freistehende Zelle wollte ich abfangen:


Quelle: (C) meteoradar.ch

Aufgrund der Verkehrslage kam ich jedoch etwas zu spät in der Region Riedlingen an. Ich konnte daher nur von Südwesten auf den Aufwind der abziehenden Zelle blicken. Dieser war geneigt und schön in sich verdreht. Der Anblick war recht schön:

Die entgegenkommenden Autofahrer warnten kurze Zeit später per Lichthupe vor dem, was diese Gewitterzelle gen Boden warf: Hagel mit einer Größe bis ca. 4 cm:

Trotz aller Bemühungen schaffte ich es nicht mehr die Zelle einzuholen. Ich konnte jedoch von hinten auf das abziehende Ungetüm schauen, das weiterhin schön isoliert weiter nach Osten zog. Auch zu dieser Zeit hatte die Zelle vermutlich Hagel im Gepäck (man achte auf die deutlichen Fallstreifen auf der Rückseite):

Kurze Zeit später löste sich das Gewitter jedoch rasch auf, sodass eine weitere Verfolgung sowieso nicht mehr möglich war.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s