LP-Superzelle, 20.06.07

An jenem Mittwoch, 20.06.2007 stand eine schwerere Gewitterlage für das südliche Deutschland bevor. Die Ausgangslage war erneut der Durchgang einer Kaltfront. Die sommerlichen Luftmassen, in welche die Kaltfront hinein lief, waren sehr Energiereich. Die CAPE (engl. für Convective Available Potential Energy) Werte betrugen um 2000 J/kg, was für unsere Breitengrade schon ganz ordentlich ist. Zusätzlich herrschte im Vorfeld der Front eine gut ausgeprägte Richtungsscherung des Windes. Idealerweise war auch noch ein mäßiger Deckel vorhanden (s. Erklärung Gewitterentstehung).
Eine solche Konstellation der Parameter ist recht gefährlich und sorgt häufig für das Auftreten schwerer Gewitter. Die Einschätzung von ESTOFEX gibts hier.

Zurück zur Lage am 20.06.: Aufgrund des Deckels blieb es bis zum Nachmittag eher ruhig. Da seitens der Modelle größere Uneinigkeit bezüglich des Timings der Front herrschte, blieb es auch bis zum Schluss sehr spannend. Die ersten Zellen entwickelten sich in den schweizer Voralpen. Hierbei handelte es sich den Bildern des Dopplerradars nach bereits um sog. Superzellen. Etwas später bildeten sich auch in Oberschwaben erste Cumulus-Wolken. Gegen 19 Uhr entstand knapp südlich meiner Position (bei Pfullendorf, LK Sigmaringen) eine Zelle, welche anfangs noch den Eindruck eines eher unorganisierten Gewitters machte:

Die Zelle begann jedoch damit, eine niederschlagsfreie Aufwindbasis zu entwickeln. Außerdem wurde ein kleines Versorgungsband (inflo-tail) sichtbar und der Aufwindbereich schien zu rotieren:

Noch realisierte ich nicht wirklich, was hier im Gange war. Erst als sich eine kleine wall-cloud ausbildete und man die deutliche Rotation des Aufwinds erkannte, erkannte ich, dass es sich wohl auch bei dieser Zelle um eine Superzelle handelte. Ich beobachtete das Ganze noch einige Zeit von meiner Position, wobei sich die Zelle langsam in südöstlicher Richtung verlagerte:

Die wall-cloud wurde nun immer deutlicher sichtbar und ich beschloss mit dem Auto etwas näher an die Zelle heran zu fahren. Dabei entstand dieser – leider doch sehr unscharfe – Schnappschuss des Aufwindbereichs:

Man kann hier sehr schön sehen, wie kreisrund dieser geformt war. Außerdem ist der dichte Niederschlagsvorhang/Abwindbereich gut zu erkennen. Zu diesem Zeitpunkt handelte es sich rein visuell nicht mehr um eine LP- sondern eher um eine klassische Superzelle. Der folgende Radarloop des ETH-Dopplerradars zeigt die Zelle zwischen Bodensee und Donau:


Quelle: (C) meteoradar.ch

Ich positionierte mich direkt unterhalb des runden Aufwindbereichs unter einer Tankstelle. Die Blitzaktivität betrug zu dieser Zeit geschätzt 20/min., wobei es sich bei den meisten Entladungen um Wolkenblitze handelte. Darüber hinaus gab es drei positive Entladungen aus dem Aufwindbereich samt ohrenbetäubendem Knall. Einer dieser Blitze sorgte auch für einen kompletten Stromausfall in dem Ort, in dem ich stand. Die Stimmung war gespenstisch. Da die Zelle eine leichte Verlagerung nach Ost-Südost aufwies, zog etwas später auch der Niederschlagsbereich über mich. Dabei gab es – anders als erwartet – keinen Hagel. Dafür sorge Platzregen und Wind in Sturmstärke (geschätzt um 80 km/h) dafür, dass die umliegenden Waldstraßen später kaum passierbar waren. Das folgende Video ist qualitativ zwar schlecht, zeigt aber zwei der positiven Blitzschläge und den Stromausfall (s. Tankstellenanzeige):

Der spätere, eigentliche Frontdurchgang war optisch trotz hoher Blitzfrequenz nicht mehr schön anzusehen.

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