Bow-Echo, 29.06.2005

Obwohl ich schon seit dem Jahr 2003 Wettermotive fotografiere, gelang es mir erst an jenem Tag ein fotogenes und kräftiges Gewitter mit digitaler Fotografie zu dokumentieren.

Die Wetterlage war eine klassische: Ein Kaltfrontdurchgang am späten Abend stand bevor (Einschätzung von ESTOFEX). Präfrontal, also vor der Front, löste es am Mittag in Baden-Württemberg an der Donau bereits einige Gewitterzellen aus, die aufgrund von guter Windscherung teilweise schon recht gefährlich waren. Auf dem zugehörigen Radarbild des Niederschlagsradars der ETH Zürich sieht man diese deutlich:


Quelle: (C) meteoradar.ch

Als sich am späten Nachmittag nordwestlich von Genf in der Schweiz ein größerer Zellkomplex (auch als MCS – Mesoscale Convective System – bezeichnet) formierte, der allmählich Linienform  annahm, konnte ich das erste Mal bewusst die Geburt eines sog. Bow-Echos erleben. Die Entwicklung dieses Gewittertyps, welcher eine bogenförmige Signatur auf dem Niederschlagsradar aufweist, ist auf dem folgenden Radarloop des Niederschlagsradars der ETH Zürich sehr gut zu erkennen:

loop bowecho
Quelle: (C) meteoradar.ch

Nachdem klar wurde, dass fast ganz Oberschwaben von diesem Gewitter getroffen würde, begab ich mich auf einen nahegelegenen Berg um den Aufzug zu beobachten. Kurze Zeit später zeigte sich am Horizont bereits eine schön ausgeprägte und mehrstöckige shelf-cloud (zur Erklärung: s.u.). Noch war es absolut ruhig und windstill. Der Wind drehte kurzfristig auf nordöstliche Richtungen – ein gutes Zeichen. Es handelt sich um den sog. Inflow, die Zelle saugt quasi die energiereiche Luft aus ihrer Umgebung in sich hinein.
Beim Eintreffen fing es schließlich an stark zu winden und der Wind erreichte kurzzeitig sogar Sturmstärke. Dann folgte Platzregen, begleitet von einer hohen Rate an Wolkenblitzen.

Hier einige Bilder vom Aufzug, aufgenommen mit meiner ersten Digitalkamera, einer AGFA  ePhoto 1680:


Bild20


Bild30


Für Interessierte:
Bow-Echo Gewitter bilden sich meist aus einem linearen MCS (Gewitterlinie) heraus. Häufig werden diese Gewitter von Winden mit Sturm- oder Orkanstärke begleitet. Die starken Winde sowie die Bogenform sind mitunter auf den sog. Rear-Inflow-Jet zurückzuführen. Die genaue Beschreibung des RIJ ist komplex, man kann sich jedoch vereinfacht vorstellen, dass dieser Wind in mittleren/höheren Schichten von hinten in die Gewitterlinie bläßt. Durch den Abwind des Gewitters wird er in Richtung Boden „heruntergemischt“. Unter anderem dadurch kommt es dann auch am Boden zu starken Böen. Der Wind sorgt außerdem dafür, dass das Gewitter in diesem Bereich quasi nach vorn beschleunigt wird, was die angesprochene Bogenform zur Folge hat. Tiefergehende Theorie zu diesem Thema gibts bei Wikipedia.
Eine ausgeprägte, bogenförmige shelf-cloud tritt bei dieser Art von Gewitter fast immer auf. Man findet sie allerdings häufig auch bei anderen Gewittertypen. Die Entstehung kann man sich vereinfacht so denken: Die kalte Luft des Abwindes strömt aus dem Gewitter und schiebt sich aufgrund der höheren Dichte unter die warme Sommerluft vor dem Gewitter. Diese warme Luft wird dadurch angehoben und dem Aufwind des Gewitters zugeführt. Beim Aufsteigen kühlt die warme Luft ab. Dadurch kondensiert die enthaltene Feuchtigkeit dann oft in Form eines Keils aus, was zu dem typischen Aussehen dieser Wolkenart führt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s