Tauwetter an Weihnachten ’12

Die Temperaturen Ende Dezember diesen Jahres waren wenig weihnachtlich. Vor allem im Süden Deutschlands war es mit 10-15 °C eher frühlingshaft warm als winterlich kalt. In Oberschwaben und speziell im Bodenseeraum sorgte eine Föhnlage (mehr zum Föhn, s.u.) für lebhaften und sehr warmen Wind.
Sonnenuntergang am Abend des 23.12.12 in Oberschwaben, bereits leicht föhnig:

Föhnlage am 25.12.12 in Oberschwaben und am Bodensee:

Die schön ausgeprägte Föhnmauer:

Dazu tolle Bergsicht:

Die recht hohen Temperaturen sorgten auch für schnelles Abschmelzen der verbliebenen Schneemassen. Auf der schwäbischen Alb und im Schwarzwald kamen so zusammen mit den bereits wassergesättigten Böden und weiteren Niederschlägen erhebliche Wassermengen zusammen. Beim Abfließen sorgten diese dann teilweise für sehr hohe Pegelstände bzw. Hochwasser (Donau, Neckar, Rhein und jew. Nebenflüsse). Hier zwei Bilder der Donau bei Sigmaringen:

Auch aktuell gibt es weitere Niederschläge, welche die Hochwassersituation örtlich weiter verschärfen könnten. Mehr zu den Pegeln der Flüsse in Baden-Württemberg gibt es hier.

Kurze Erklärung zum Föhn:
Der Föhn bzw. Alpenföhn ist der Name eines warmen und trockenen Windes. Er entsteht, wie der Name schon sagt, nördlich (Norden= Lee-Seite, Süden=Luv-Seite) oder südlich der Alpen (vice versa).
Ausgangspunkt ist ein Druckgradient (-> Wind) über den Alpen; oft ist dies ein Tiefdruckgebiet nördlich der Alpen. Das Tiefdruckgebiet saugt sozusagen die Luft an – auch jene südlich der Alpen. Dabei strömt diese recht feuchte Mittelmeerluft auf die südlichen Bergkämme der Alpen zu. Die Luftmassen werden durch dieses Hinderniss zum Aufsteigen gezwungen, wobei sie bis zur einsetzenden Kondensation erst trockenadiabatisch (Abkühlrate ~ 1K/100m), danach dann feuchtadiabatisch (Abkühlrate ~ 0.5 K/100m) abkühlen. Der Unterschied der Raten kommt dadurch zustande, dass die Kondensation der Feuchtigkeit sog. latente Wärme freisetzt, welche der Abkühlung etwas entgegenwirkt. Durch das Auskondensieren der Feuchtigkeit regnet es außerdem auf der Luv-Seite – in dem Fall also südlich der Alpen – häufig. Man spricht dabei vom sog. Steigungsregen. Wurden die Luftmassen so weit angehoben, dass sie die Alpenkämme überströmen können, sinken sie dahinter direkt wieder ab (-> Föhnmauer). Die Luftmassen erwärmen sich dabei rein trockenadiabatisch, also wesentlich stärker als noch beim Aufsteigen. Die Luft hat einen Großteil ihrer Feuchtigkeit verloren. Die so entstehenden trockenen und warmen Winde führen in Alpentälern nicht selten zu Sturmereignissen mit Geschwindigkeiten über 100 km/h.
Typisch für Föhnlagen sind Wolken wie Lenticularis (Föhnlinsen), Schwerewellen und das Auftreten einer Föhnmauer. Letztere sieht man jedoch recht selten aus größerer Entfernung. Ebenfalls typisch ist ein hellblauer Himmel nördlich der Alpen (das sog. Föhnfenster) sowie das visuelle Gefühl, die Alpen sind näher und höher als sonst. Auch dieser Effekt ist auf die trockene und warme Luft zurückzuführen, welche wie eine optische Linse wirkt. Da die Luft außerdem trocken ist und wenig feine Staubpartikel enthält, herrscht bei Föhn generell sehr gute Fernsicht.
Häufig betroffen von Föhnlagen ist Oberschwaben sowie das bayrische Alpenvorland. Im Sommer hat der Föhn oft erhebliche Auswirkungen auf gewitterträchtige Wetterlagen. Hierbei kann er sich sowohl dämpfend (-> trockene Luft) als auch verstärkend (-> Verstärkung der Windscherung; Verzögerung der Auslöse bei guter Sonneneinstrahlung)  auf die Gewitterbildung auswirken.

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